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The Jayhawks XOXO


Sham/Membran (VĂ–: 10.7.)

von

Der erste Gedanke: Ohne Mark Olson sind die Jayhawks immer ein dreibeiniger Hund; ihre besten Platten sind samt und sonders jene, die aus dem Kreativdoppel von Olson und dem verbliebenen Frontmann Gary Louris schöpften, allen voran das 1995 erschienene TOMORROW THE GREEN GRASS und MOCKINGBIRD TIME (2011), das erste Album nach dem Wiedereinstieg Olsons in die Band aus Minneapolis, die neben Uncle Tupelo wohl die prägendste Kraft war, die Anfang der 90er-Jahre Country und Folk einem eher Rock zugeneigten Alternative-Publikum nahebrachte.

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Danach verließ Olson die Band erneut, zuletzt erschien ein Album mit Louris’ Kompositionen für andere, das war grundsolide, aber ein wenig hatte man den Eindruck, die Luft wäre raus. Den bestätigt vorliegendes Album keinesfalls, Louris wählte einen neuen Ansatz: Der Rest der Jayhawks ist nun gleichberechtigt ins Songwriting eingebunden. Das mag der Platte an Stringenz nehmen, es führt aber zu einigen interessanten Ansätzen.

Wo der Opener „This Forgotten Town“ noch im Rahmen der Erwartungen bleibt, zeigt schon das folgende „Dogtown Days“ einen kräftigen Tritt auf das Gaspedal: Plötzlich klingt 70s-Rock der Big-Star-Schule mehr als nur durch. Der Satzgesang auf „Homecoming“ lässt an The Mamas And The Papas denken, während „Illuminate“ sich Richtung Kammerpop lehnt. Das Ergebnis: eine Wärme, die so deutlich bei der Band noch nie durchschien und die die fehlende Geschlossenheit des Albums größtenteils ausgleicht. Manchmal legt auch ein dreibeiniger Hund beeindruckende Strecken zurück.

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