The Mountain Goats In League With Dragons 


Merge/Cargo (VÖ: 26.4.) 

„Den tollen Bass, die mutigen langen Pausen“ sollte ich mir doch einmal sofort anhören, hatte ein Freund mir geflötet, nachdem er den Song „Younger“ bei einem anderen Freund in dessen Radioprogramm aufgeschnappt hatte. Und auch das Saxofon zum Schluss verdiene eine lobende Erwähnung.

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Nun sind die Mountain Goats ja nicht gerade weltberühmt für Bass- und Saxofonspiel, eher, so die gängige Meinung, handele es sich bei der US-Band um das Lebenswerk des enigmatischen Lyrikers und Songwriters John Darnielle, der auch als Romanautor schon hervorgetreten ist. Seine Lieder erstrahlen bisweilen in dem düsteren Humor eines Mannes, der Gewalt mit satanischen Botschaften in Metal-Songs verstoffwechselt oder sich in den bizarren Narrativen von Wrestlern einrichtet.

Mit Bläsern und Jazz-Arrangements experimentiert Darnielle ja schon einige Alben lang, aber ein so beiläufiges, sich wie eine Erzählung dahinziehendes Sax-Solo irgendwo im Off von „Younger“ haben wir bei den Mountain Goats dann noch nicht gehört. Und wer sich einmal auf die Horchstation „Bass“ begibt, entdeckt hier die ornithologisch interessantesten Weckrufe, ein repetitives „Plong-plongplong-Plong“ im ersten Track „Done Pleeding“, ein aufgerautes „Röbömmröbömm“ in „Clemency For The Wizard King“. 

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Ab und an handelt es sich bei IN LEAGUE WITH DRAGONS auch um ein Science-Fiction-Fantasy-Album, das sein Konzept dann aber auch nicht zu ernst nimmt, wie der Titel „Hank Williams Live“ nahelegt. In vollem Country-Ornat erscheint dagegen der Titelsong. Und dann ist das hier überdies noch eine Owen-Pallett-Produktion, so weich fiel die Poesie Darnielles so gut wie nie in den vergangenen beinahe 30 Jahren. Es spielt das mazedonische Radio-Sinfonieorchester. Vieles ist anders, einiges rätselhaft, in Gesellschaft der Drachen operieren die Mountain Goats gerade in einer eigenen Liga. 


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