The Mystic Revelation Of Rastafari Grounation


Soul Jazz Records (VÖ: 23.9.)

von

Eine der vielen Geschichten zu diesem Album erinnert daran, dass der Rhythmus bei den Rastafarians eine Wiedergabe des Herzschlags sein soll. In den ersten anderthalb Minuten des Eröffnungs-Tracks „Bongo Man“ steht dieses Herz beinahe still, lediglich ein leises Klöppeln auf den Bongos ist unter dem sanften Bläsermassiv zu hören, dann bringt Count Ossie mit seinem Beat das Traditional in eine Spur, nur um später von den Saxofonfiguren Cedric „Im“ Brooks’ noch einmal in eine andere Sphäre befördert zu werden.

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„Bongo Man“ ist die so schöne wie irritierende Fanfare zur Eröffnung von GROUNATION, einem spirituell-musikalischen Come-Together der Bands von Count Ossie und Cedric „Im“ Brooks, das Vergleiche sucht in der Geschichte des Reggae. Beats, Brass, Bass, eine Flöte – in diesem spartanisch ausgestatteten Raum erzählen die Musiker von der Geschichte Jamaikas und der Rückbesinnung auf die afrikanischen Wurzeln vor dem Hintergrund der Sklaverei.  Es ist aber auch ein Raum, in dem kurze Bewegungen in Richtung eines Free Jazz im Sinne von Sun Ra möglich sind, damit tritt GROUNATION aus dem selbst gesetzten fundamentalistischen Rahmen immer wieder heraus.

Die 16 Songs und Beat-Erzählungen erschienen 1973 auf einem Triple-Album, das jetzt vom Londoner Label Soul Jazz wieder aufgelegt wurde (eine limitierte Ausgabe u.a. mit Bonus-Single und der Reproduktion eines Kunstdrucks). GROUNATION erlaubt heute Assoziationen, die weit über den historischen Entstehungskreis hinausreichen: In ihren bläserintensiven Momenten verbindet sich diese Musik mit den Second-Line-Formationen aus New Orleans, mit der Melancholie der von den Acher-Brüdern betriebenen Hochzeitskapelle oder den japanischen Brass-Ensembles, die Markus Acher auf der Compilation ALIEN PARADE JAPAN präsentiert. Sun Ras Jazzuniversum, Kingston, New Orleans und Weilheim – wer hinhört, wird eine Spur durch Raum und Zeit entdecken können.


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