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The Thermals We Disappear


Saddle Creek/Cargo, 25.03.2016

Manche Menschen sagen, The Thermals würden seit mehr als zehn Jahren immer wieder denselben Song aufnehmen – ein Argument, das man damit entkräften könnte, dass an dieser Praxis ja nichts auszusetzen ist, solange dieser Ur-Song etwas taugt (siehe Ramones). Tatsächlich könnte man auch sagen, dass eine Abkehr vom bretternden Pop-Punk, mit dem sich die Band aus Portland Mitte der Nullerjahre einen Namen gemacht hat, in der Vergangenheit immer gemischte Resultate mit sich gezogen hat. PERSONAL LIFE (2010) etwa war ein forciert introvertiertes Album mit zu vielen Midtempo-Nummern, der Nachfolger DESPERATE GROUND (2013) der unausgegorene Versuch, den Kurs zu korrigieren.

Auf ihrem neuen, siebten Album arbeiteten The Thermals mit Chris Walla zusammen, der schon ihre ersten beiden vor Energie zischenden LPs produzierte. Dass der Ex-Death-Cab-Gitarrist für die vielseitigen, knackigen Gitarrensounds und differenzierten Texturen auf WE DISAPPEAR verantwortlich ist, kann man sich gut vorstellen. Feedback ist nicht mehr ein in Kauf genommenes Nebenprodukt einer Lo-Fi-Arbeitsweise, sondern ein gezielt eingesetztes Stilmittel.

Anderswo erklingen bei den Thermals selten gehörte cleane Gitarrenparts oder sogar eine Akustikklampfe. Es gibt eine Handvoll vernachlässigbare Thermals-by-numbers Rumpel-Songs, aber wie immer auch ein paar bierselige Mitsing-Hits („My Heart Went Cold“). Sänger Hutch Harris (der sich seit Kurzem als Stand-up-Comedian versucht) singt immer noch am liebsten vom Verfall, vom Tod, vom Ende aller Tage, hat aber den sarkastischen Unterton abgelegt und klingt auf dem düsteren Grunge-Stück „The Great Dying“ ehrlich verzweifelt. Die Thermals können also doch anders.

Kooperation


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