The Velvet Underground White Light / White Heat (45th Anniversary Super Deluxe Edition)


Polydor/Verve/Universal

von

Die vier Alben, die das New Yorker Quartett um den im Oktober verstorbenen Lou Reed zwischen 1967 und 1970 unter jeweils stilistisch unterschiedlichen Vorzeichen aufnahm, bewirkten beim durchschnittlichen Musikkonsumenten vor allem eines: Desinteresse. Auch WHITE LIGHT/WHITE HEAT ereilte dieses Schicksal, als es im Januar 1968 veröffentlicht wurde und ohne Mentor Andy Warhol und Sängerin Nico da anknüpfte, wo das Debüt THE VELVET UNDERGROUND & NICO ein knappes Jahr zuvor auf der zweiten LP-Seite im Krawallchaos von „The Black Angel’s Death Song“ und „European Son“ geendet hatte: Mo Tuckers monotones Getrommel, nervöse, übersteuerte Feedbacksplitter des Gitarrenduos Sterling Morrison und Lou Reed sowie die von John Cale ins Spiel gebrachte Atonalität mit Viola, Piano und Bass gelten heutzutage freilich als Punk-Urknall. Cales Hang zum avantgardistischen Experiment verband sich mit Reeds von lyrischer Radikalität geprägten Kompositionen.
Stilistisch noch in Richtung Vergangenheit blicken der Titelsong sowie das hypnotische „Here She Comes Now“. Beim achtminütigen „The Gift“ liest Cale zur Brachialuntermalung einen Prosatext Reeds – eine Mischung aus Karlheinz Stockhausen mit der Poetry der Beat Generation von Allen Ginsberg. „Lady Godiva’s Operation“ entwirft mit Cale als Sänger und zeitweiligen Einschüben von Reed eine hypnotische Sogkraft. „I Heard Her Call My Name“ klingt tatsächlich wie ein Proto-Punk-Song. Vollkommen überzuschnappen droht die Band zum Finale in der 17-minütigen übersteuerten Hymne „Sister Ray“. 30 Tracks sind auf den drei CDs der WHITE LIGHT/WHITE HEAT 45th ANNIVERSARY SUPER DELUXE EDITION versammelt: die jeweils komplette Mono- und Stereoversion des Meilensteinalbums.
Aber auch aktuelle Mixe der Outtakes „Guess I’m Falling In Love“, „Hey Mr. Rain (Version One/Two)“, „Temptation Inside Your Head“, „Stephanie Says“ sowie eine frühe Version von „Beginning To See The Light“. Dazu gibt es unveröffentlichte Fassungen von „The Gift“ und den Konzertmitschnitt Live At The Gymnasium, New York City, vom 30. April 1967 mit u.a. „I’m Not A Young Man Anymore“, „I’m Waiting For The Man“ und „Run Run Run“.


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