Tinariwen
HOGGAR
Wedge/Rough Trade (VÖ: 13.3.)
Keine gefällige Weltmusik, sondern psychedelischer Bluesfolk.
Die Geschichte der Band Tinariwen ist eine bewegte – auf jeden Fall bewegter als die Geschichte der meisten Bands, die sonst so auf diesen Seiten auftauchen. 1982 wird die Band von Ibrahim Ag Alhabib gegründet. Ihre Mitglieder stammen aus Tuareg-Familien, die in den Sechzigern vor der großen Dürre aus der Sahelzone geflohen waren. Es folgte eine militärische Ausbildung im Jemen im Rahmen von Aufstandsvorbereitungen. Seit 1994 artikulieren sich Politik und Befreiungswunsch von Tinariwen ausschließlich musikalisch.
Auf dem 16 Album HOGGAR klingt der spröde Tuareg-Folk-Blues lebendig wie eh und je. Chöre, Call-and-ResponseStrukturen, behutsam eingebaute Ideen, die der nordamerikanischen Musikgeschichte entnommen sind: Tinariwen spielen eine Weltmusik, die nichts Folkloristisches hat, sondern die Tradition so mit modernen Formen vermengt, dass etwas Drittes entsteht. Gastauftritte von Bewunderern (früher waren es u. a. der Jazz- und Wilco-Gitarrist Nels Cline, aber auch Stephen O’Malley von Sunn O))) und Warren Ellis) sorgen für mehr Aufmerksamkeit, bringen aber nur ein paar Akzente mit.
Auf HOGGAR sind es José González, Sänger der schwedischen Band Junip, und der sudanesische Sänger Sulafa Elyas. Der Sound von Tinariwen bleibt eine stille Macht. Für westlich sozialisierte Ohren klingt er nach psychedelischem, weitgehend akustischem Blues, anschlussfähig an die Exkursionen verschiedener Pop-Avantgarden, bei aller Verankerung in einer lokalen Tradition.



