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William Doyle Great Spans Of Muddy Times


Tough Love/Cargo (VÖ: 19.3.)

von

Wer kennt das nicht: Festplatte geschrottet, alle Daten weg, vom letzten Einkaufszettel bis zur Pornosammlung. Gut, wenn man eine Sicherungskopie hat, sei sie in der Cloud oder notfalls eben auf Kassette wie bei William Doyle (der 2014 für den Mercury Award nominiert war): Doyle hatte sein viertes Studioalbum ganz oldschool konserviert, bevor die digitale Version ade sagte. Aber halt kein professionelles Mastertape, sondern eher in Lo-Fi-Qualität für den nächsten Flohmarkt.

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Retten konnte der gerade 30 gewordene Brite aber trotzdem Beachtliches. Wenn es immer so liefe, wünschte man sich noch mehr Festplattenausfälle auf der Welt! Nach einem konventionell-poppigen Opener, der auch der ColdplayStarsailor-Schule entstammen konnte, bringt Doyle sein diesmaliges notgeboren-stoisches Schaffensprinzip der Platte zum Ausdruck: „And Everything Changed (But I Feel Alright)“ auf Position zwei der Albumtracklist hat Psych-Disco-Rock-Qualitäten – und das Zeug zur Indie-Hitsingle.

„Somewhere Totally Else“ wabert dann wahrlich ganz woanders, „somewhere totally else“ halt: Glaubte man eben noch, in einem halbstandardisierten Pop-Album zu wandeln, wandelt sich die Platte in Mixtape-Manier mit schön verzerrten Orgelriffs zur Ambient-Soundscape. „Shadowtackling“ klingt dann schon wie ein noisy Krokodil, das bösen Schluckauf hat. Bei „Who Cares“ schwelgen Synthesizer-Harfen im Fiebertraum. „Nothing At All“ ist melodisch bester Bossa-Nostalgie-Pop. Vielleicht liegt die Zukunft des Albums ja gerade darin, alle Regeln für ein Album in die Flugzugtoilette zu werfen.


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