Highlight: 13 Acts, die wir auch nach ihrem Mainstream-Durchbruch gut finden

Steile These

U2, Coldplay und Co.: Diese 7 Bands werden besonders leidenschaftlich gehasst

Manche Bands sind gnadenlos talentfrei, andere einfach völlig belanglos. Nicht zwangsläufig sind diese Eigenschaften miteinander verknüpft, viele verschwinden irgendwann in der Versenkung.

Um diese Bands geht es hier nicht.

Vielmehr geht es um jene Bands, die bei vielen Zuhörern schwerwiegende Ekelanfälle und tiefschwarze Wut entfachen, die es aber gleichzeitig hinbekommen, zumindest phasenweise, in den Charts vertreten zu sein und die ein oder andere Auszeichnung nach Hause zu tragen.

Kooperation

Natürlich möchte im Zweifelsfall niemand für den Erfolg besagter Bands verantwortlich sein. Glaubt man diesem Internet“, scheint es realistischer, dass die Leute sich reihenweise im Vincent-van-Gogh-Style die Ohren abschneiden würden, als freiwillig Nickelback zu hören.

Dann gibt es die Bands, die wegen ihrer politischen Ausrichtung nicht allzu beliebt im jeweils gegnerischen Lager sind; so kann man annehmen, dass Fans von Feine Sahne Fischfilet eher selten kurz mal zu Frei.Wild umschwenken, vor allem, da sich die Bands auch untereinander spinnefeind sind. Ähnliche Bandrivalitäten, die auch die Fankreise entzweien, gibt es zum Beispiel zwischen The Beatles und The Rolling Stones oder Oasis und Blur.

Wohin aber soll man nun mit all dieser leidenschaftlichen Ablehnung?  Wie immer bietet es sich an, die tiefschwarzen Emotionen in die Untiefen des WWW zu entlassen – eine gute Sammelstelle für hilfesuchende Hasser seit 1989.

Auch wenn sich nicht pauschal sagen lässt, welche Bands jetzt wirklich am meisten gehasst werden –  hier sind sieben, bei denen es en vogue geworden ist, sie zu hassen, obwohl sie erfolgreich sind. Wer Lust hat, selbst mit abzustimmen: hier könnt ihr euch austoben.

U2

Die Band, die offensichtlich alles unternimmt, um von möglichst vielen Leuten gehasst zu werden.

Seit 1978 spielen U2 in unveränderter Besatzung zusammen und speziell Frontmann Bono (bürgerlich: Paul David Hewson) ist für viele ein Stein des Anstoßes, vor allem, weil er sich ständig in internationale humanitäre Angelegenheiten einmischt. Die einen stören sich am Prediger-Pathos“, die anderen werfen der Band Scheinheiligkeit wegen ihres Steuersparmodells vor.

2018 hatte die Band im heimischen Irland einen Shitstorm von Abtreibungsgegnern am Hals, weil sie die Abschaffung des Abtreibungsverbotes unterstützen.

Wie sehr sie die Meinungen spalten, erfuhren U2, als sie ihr 2014 erschienenes Album SONGS OF INNOCENCE in Form eines automatischen Downloads an 500 Millionen Apple-iTunes-User zwangsverschenkten. Die Begeisterung der User hielt sich in Grenzen. Die Band entschuldigte sich. Manche wollen U2 nicht einmal geschenkt.

Coldplay

Die Chris-Martin-Band

Steht nicht nur Chris Martin drauf, ist aber zu 101% Chris Martin drin, dazu Spuren von Vanille und sich ewig wiederholendem Sound.

Wären gerne wie U2 (als die noch cool waren).

Nach zwei wundervollen Alben begann der Abwärtstrend hin zu belanglosem Plastikpopschrott.

Haben sich vom Kommerz kaufen lassen und das hört man.

“The most insufferable band of the decade,” titelte die New York Times 2005
2011 widmete der Autor Sasha Frere-Jones der Frage, warum er die Band nicht mag, gleich einen ganzen Artikel. Die Antwort lässt sich mehr oder weniger auf „Chris Martin“ zusammenfassen. Wer all diese Gründe schon zig mal gelesen hat, wird sich hier vielleicht an der Verteidigung erfreuen:

Metallica

(Photo by Kevin Mazur/WireImage)

Die klassische „Sellout“-Band.

Die Vorwürfe halten sich seit Jahren: Metallica kamen, sahen und siegten. Mit den vier Alben KILL ‘EM ALL, RIDE THE LIGHTNING, MASTER OF PUPPETS, AND JUSTICE FOR ALL schufen sie Thrash-Metal-Geschichte. Und dann….. kam der Super-Gau. Metallica gaben sich wissend und freiwillig dem Mainstream hin, es folgte weit weniger kantige, dafür leichter hörbare und vor allem besser verkaufbare Musik. Die Begeisterung ihrer alteingesessenen Fans war minimal.

Auch die Schminke und schließlich das Abschneiden ihres Markenzeichens, der langen Haare, führten zu einem spontanen Abwandern von Fans. In jüngerer Zeit vergrämten James Hetfields Einstellung zur Bärenjagd und der Auftritt bei den Grammys 2017 (mit Lady Gaga, aber ohne funktionierenden Sound) den einen oder anderen Fan. Auch die Frage, ob Lars Ulrich jetzt eigentlich ein toller Drummer oder eine Katastrophe ist, spaltet die Foren – wird aber dennoch seitenweise diskutiert.

Napster Baby: Der 4. Mai 2000 war der Tag, an dem Metallica spießig wurde. So sahen das auf jeden Fall viele Fans, die die Songs der Band auf der MP3-Tauschbörse Napster downgeloadet hatten – ohne das Urheberrecht zu beachten. Metallica verklagte Napster und lieferte gleich noch eine Liste mit den Namen von mehr als 300.000 Usern, die Songs downgeloadet hatten, mit.

 

Limp Bizkit

Vorwurf: Zickenterror Deluxe

Rote Baseballkappe + wasserstoffblondierte Haare und viele Aggro-Vibes = Limp Bizkits Fred Durst. Der Posterboy und die von ihm zusammengehaltene Vorzeigeband des Nu Metal mit über 50 Millionen verkauften Alben. In Spins „2012 List of the 30 Most Hated Bands“ schafften es Limp Bizkit auf Platz Nummer 2, direkt hinter Milli Vanilli, die ihre eigenen Songs nicht gesungen haben… was irgendwie schon ein absolutes KO-Argument ist. Gründe für die starke Aversion gegen die Band liegen im ewigen internen Zwist, Streitereien mit allem, was nicht bei 3 auf dem Baum ist. Ein weiterer Grund? Die Fans. Wer findet, dass die Fans von Limp Bizkit ein ekliger Haufen aggressiver Bullies ist: Fred Durst denkt das auch. In einem Rolling-Stone-Interview von 2009 meinte er:

„For years I looked into the crowd and saw a bunch of bullies and assholes who tortured me and ruined my life.They were using my music as fuel to torture other people, even dressing like me. The music was being misinterpreted, and the irony affected me and we stepped away . . . I don’t even listen to any type of music that’s like Limp Bizkit at all.“

Ewig her, könnte man meinen, tatsächlich haben Limp Bizkit ihr für 2015 angekündigtes Album immer noch nicht veröffentlicht, dafür kommen sie 2019 auf Tour, Karten gibt es hier.

Für Twitter-Diskussionsstoff sorgte auch der Tweet von Fred Durst an Donald Trump. Während die einen lobten, dass Fred Durst anscheinend über seine Sturm-und-Drang-Phase hinweg ist, warfen die anderen ihm Scheinheiligkeit vor. Also alles wie immer.

Nickelback

Das Phänomen

Wer Nickelback in den Wald hineinschreit, wird Hass ernten. Wenn man sich im Internet so umguckt, könnte man meinen, Nickelback würde zum Frühstück Katzenbabies essen, nur um dann frisch gestärkt Musik zu produzieren, die einen direkt in die Hölle katapultiert. Dazu gibt es anbei auch „wissenschaftliche“ Erkenntnisse:

Hier weitere Meilensteine:

  • Eine kanadische Polizeistation hat betrunkenen Verkehrsteilnehmern gedroht, sie für ihr Vergehen mit Nickelback-Musik zu bestrafen, die Australier gingen noch einen Schritt weiter:
  • Das kostenlose Browser-Plugin  Nickelblock“, erkennt beim Surfen jede Erwähnung der Kanadier sofort und hält sie dem Benutzer vom Leib.
  • 2011 unterzeichneten 55.440 Fans eine Petition, die verhindern sollte, dass Nickelback während eines Footballspiels auftreten. Ähnliche Versuche gab es auch schon in Großbritannien.
  • 2016 erlaubte sich auch Mark Zuckerberg einen Spaß auf Nickelbacks Kosten: In einem Video, das den digitalen Heim-Assistenten Jarvis präsentiert, wird dieser gebeten, einige gute Nickelback-Songs zu spielen. Darauf antwortete der selbst programmierte Sprachcomputer: „Tut mir leid, Mark. Das kann ich nicht. Es gibt keine guten Nickelback-Songs.“

Wenigstens Deadpool kommt den Kanadiern zu Hilfe:

Boy Bands

Egal ob One Direction oder die Jonas Brothers, das Rezept ist immer das Gleiche und Boy-Band-Bashing so alt wie… Boy Bands. Ein nerdiger Kerl (Brille ist super, Krawatte tut es aber notfalls auch), ein bisschen Eye-Candy (gerne muskulös, hochgerollte Hemdsärmel schaden nie und bloß nicht schwul) und ein Bad Boy für die Extraspannung (Tattoos: ja, aber bitte auch nicht zu böse). Wundervolle Rezeptur, explodiert manchmal, steht aber meistens nur in der Ecke rum und schimmelt irgendwann. Oh, und One Direction hatten einen Song namens “Best Song Ever.” HARHARHAR.

Maroon 5Maroon 5 werden beim Super Bowl 2019 auftreten

Kein politisches Rückgrat

Auch vor 2019 geisterte Maroon 5 schon durch diverse Hass-Listen. Speziell bei Musikkritikern bekam die Band und vor allem Sänger Adam Levine regelmäßig ihr Fett weg. Ewige Omnipräsenz im Fernsehen, als Richter bei The Voice oder der im Mai startenden Show Songland, dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben. Ihr endgültiger Stolperstein war aber der Auftritt beim Super Bowl 2019. Die Halbzeitshow beim Super Bowl gehört eigentlich zu den begehrtesten Auftritten in der Musikindustrie. Für 2019 sagten eine Vielzahl von Künstlern ab, um damit gegen die Behandlung von Quarterback Colin Kaepernick durch die NFL zu protestieren. 2016 ging er während der Nationalhymne auf die Knie, um gegen Polizeigewalt und Diskriminierung zu demonstrieren. Er wurde 2017 von seinem Verein freigestellt und von keinem neuen Klub mehr unter Vertrag genommen. Maroon 5 spielten trotzdem, und das auch noch in Atlanta, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Georgia, die als (eine) Brutstätte des Hip-Hop gilt.

Lobende Erwähnung: Weezer

Nur für Masochisten geeignet.

Die Band, die es hinbekam, dass ihre Fans Geld dafür zahlen wollten, dass sie nie wieder Musik machen. Aber keine Chance: Weezer quälen fröhlich weiter und erhöhen ihren musikalischen Output auch noch.

Das letze Album war dann wieder okay-isch: Hier könnt ihr die Rezension lesen.

Robin Marchant
Mauricio Santana Getty Images
Kevin Mazur WireImage
Paul Natkin Getty Images
Ethan Miller Getty Images
Jason Kempin Getty Images

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