Xiu Xiu – ERASERHEAD XIU XIU: Lynch als Geräusch
Das Noise-Pop-Projekt übersetzt David Lynchs verstörendes Filmdebüt in sperrige Geräuschmusik.
„Eraserhead“ gehört zu den befremdlichsten Kunstwerken in der Geschichte des Kinos. Surreale Traumlogik, ein nicht zu Ende geborener Mann, Familienterror, ein Ekelfötus, alles vor tristestem Schwarzweiß in einer kalten Industrial-Atmosphäre. Der Soundtrack, von Lynch selbst und Alan Splet komponiert: Maschinengeräusche, Kälte, aber auch ein surrealer Chanson: „In Heaven (Everything Is Fine)“, gesungen von einer Fee in einer Heizung.
Die Band Xiu Xiu um Jamie Stewart hat diese Musik zum Ausgangspunkt für ein Album zum Film genommen. Keine Coverversionen, sondern die Übertragung von Atmosphäre, einzelnen Sounds und lynchesken Ideen in den eigenen, sich seit der Bandgründung 2002 in zahllose Richtungen ausdifferenzierenden Klangkosmos. Es schabt und kratzt und rauscht, ab Minute neun kommen kühle Lo-Fi-80ies-Synthies um die Ecke, dann grummelt und donnert was, dazu elektronisches Fötengewimmer.
Nahezu alle Stücke wechseln zwischen minimalen Melodiepartikeln und Soundstress hin und her, Letzterer steht der Geräuschmusik in der Tradition von Throbbing Gristle nahe. Im Unangenehmen verbirgt sich hier, wie auch in Lynchs Bildwelten, ambivalente Schönheit. Nicht so zugänglich wie Xiu Xius erstes Lynch-Album PLAYS THE MUSIC OF TWIN PEAKS von 2016, aber dementsprechend auch um einiges konsequenter. Mit dem abschließenden Cover von „In Heaven“ geht dann die Sonne auf. Beziehungsweise endgültig unter.