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Xiu Xiu Oh No


Polyvinyl/Rough Trade (VÖ: 26.3.)

von

Weil es ja rasend unoriginell ist, allen Bands, die einen zugleich anmachen und sachte verstören, einen „David-Lynch-haften-Sound“ zu bescheinigen – einigen wir uns doch auf Folgendes: Xiu Xiu klingen, wie ein Film von Wong Kar-Wei aussehen würde, wenn der Regisseur mit mieser Laune ans Werk gehen würde, verkatert, mit ordentlich Weltekel vielleicht.

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Irgendeine Kino-Referenz jedenfalls muss sein, denn auch auf OH NO, dem neuen Album der kalifornischen Band, werden wieder mit allem, was Gitarre und Effektgerätepark hergeben, verführerische Bilder beschworen. Verlässlich ist Jamie Stewart – einziges ständiges Bandmitglied – seit fast 20 Jahren für alle da, die ihren Indie samtrot und nachtschwer, unterweltlich und blinklichtig mögen. (Dass Xiu Xiu tatsächlich mal den Twin-Peaks-Soundtrack gecovert haben, passt natürlich nun doch ins Klischee.)

Miese Laune, verkatert, Weltekel, yeah!

OH NO ist ein Duettalbum, auf dem Stewart Künstler*innen wie Sharon Van Etten oder Owen Pallett ins Taxi durch die Sündenstädte der Welt bittet. Bei alledem weiß man nicht so recht, ob es bemerkenswert oder einfach schade ist, dass er es schafft, allen Gästen seinen Sound zwischen Zwielicht und Intimität, zwischen Postpunk, Noise und elektronischem Pop überzuhelfen.

Sicher, wenn Haley Fohr von Circuit des Yeux mitsingt, klingt der Ritt eher stolz und distinguiert, mit Chelsea Wolfe hingegen bollert der Fahrstuhl auf dem Weg in den Dark-Wave-Hades so mächtig, dass man kurz denkt, Dave Gahan könnte zusteigen. Ein wenig offensichtlich ist Stewarts Strategie schon – aber das stört bei David Lynch ja auch die wenigsten.


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