Xmal Deutschland

THE COMPLETE PEEL SESSIONS

4AD/Beggars/Indigo (VÖ: 18.4.)

Spielen Hamburgerinnen auf Einladung von John Peel bei der BBC: Alle vier Sessions der Postpunk-Wave-Band zwischen 1982 und 1985 auf einer Doppel-LP.

Als Xmal Deutschland Anfang der Achtzigerjahre von Hamburg nach England reisen und dort live mächtig abräumen, gibt’s von den Typen gleich mal ein paar Provokationen. Dass da eine Frauengruppe aus Deutschland die Punk-, Goth- und Wave-Szene aufwirbelt, ist so nicht vorgesehen. Also wird gelästert, werden die Fähigkeiten angezweifelt. Wobei Anja Huwe schnell ein passendes Gegenmittel findet. Sie bittet Gitarristin Manuela Rickers, den Verstärker schon beim Soundcheck bis zum Anschlag aufzudrehen.

Sich selbst schafft sie alle relevanten britischen Akzente drauf, kontert jeden blöden Spruch mit einem noch blöderen. Das bringt Autorität. Wobei sich im Grunde alle Autoritätsfragen erledigen, als Xmal Deutschland 1982 die Einladung von John Peel erhalten, eine seiner legendären Sessions zu spielen. Das Debütalbum FETISCH ist noch gar nicht auf dem Markt, aber solche Promo-Angelegenheiten sind Peel egal.

Xmal Deutschland machen das, was sie immer tun

Er holt Leute ins BBC-Studio in Maida Vale, die ihn interessieren. Dass diese Band ihr Land im Namen trägt und auch auf englischen Clubbühnen auf Deutsch singt, obwohl ihre Musik doch sehr angloamerikanisch klingt (nämlich nach einer Nacht-und-Nebel-Variante von Patti Smith und natürlich Siouxsie & The Banshees), fasziniert ihn umso mehr. Bei den Aufnahmen selbst ist Peel nicht anwesend, er denkt, er würde nur stören, überlässt die Arbeit den Tontechnikern der BBC.

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Die leisten zwar exzellente Arbeit, können als Jazz-, Klassik- oder Progrock-Fans mit der seltsamen Musik aber wenig anfangen. „Sie haben ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass sie dich nicht besonders gut finden, dass ihnen die Musik nicht gefällt und dass du dich bitte beeilen solltest“, erinnert sich Keyboarderin Fiona Sangster. Andere Bands wären vielleicht verunsichert gewesen. Xmal Deutschland machen das, was sie immer tun: Sie vertrauen auf sich selbst, genießen das Zusammensein, kontern die blöden Sprüche. Peel ist happy – und lädt die Band bis 1985 zu drei weiteren Sessions ein.

Die letzte von ihnen erscheint 1986 in der EPReihe „The Peel Sessions“. Die anderen schlummern lange nur in nerdigen Nischenforen, nun erscheinen alle vier Sessions zusammen, zum Record Store Day auf einer Doppel-LP. Was sofort auffällt: Wie gut Xmal Deutschland hier als Gruppe agieren. Eine Radio Session ist damals eine Performance ohne Netz und doppelten Boden, die Band wird dem Anspruch gerecht. Und dem Sound tut es gut, dass bei den ersten Sessions der Halleffekt nur dosiert angewendet wird. Klingen Xmal Deutschland auf den Studioalben manchmal verschleiert, wirken Songs wie das treibende „Reigen“ oder der wahnsinnig gute Tribal-Postpunk von „In Motion“ (hier exklusiv zu hören) sehr unmittelbar.