Album der Woche

Yaya Bey

FIDELITY

Drink Sum WTR (VÖ: 17.4.)

Die R’n’B-Forscherin aus New York fragt sich und uns, ob Schwarzes Leid zur Ware verkommen ist.

Es ist kompliziert. Findet auch ­Yaya Bey. Und das schon immer. Auf ihrem letzten Album DO IT AFRAID ging es um die Dualität aus Freude und Trauer, auf FIDELITY wird nun im Song „Forty Days“ das Leitbild dieses Albums verlesen: Wir stellen uns die Liebe immer ideal vor, wünschen sie uns als leichtes, unbeschwertes Unterfangen. Aber das Gegenteil ist richtig: „love is complicated“.

Soul und R’n’B fußten schon immer auf diesem Dilemma, und Yaya Bey stellt nun die Frage, ob die Kunst das Elend einer ganzen Community als Konsumartikel vermarktet, ob Schwarzes Leid zur Ware verkommen ist. Dieser These spürt die 35-jährige New Yorkerin auf FIDELITY nach: Sie thematisiert den Tod ihres 2022 verstorbenen Vaters, des Rappers Grand Daddy I.U., und warum zu viele Schwarze Künstler:innen erst nach ihrem Ableben die Anerkennung bekommen, die sie verdienen; sie berichtet von der Gentrifizierung New Yorks, die vor allem traditionell Schwarze Stadtviertel radikal verändert; und mischt sich ein in die immer kompromissloser geführten Debatten der Schwarzen Diaspora.

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Die inhaltliche Schwere kontrastiert Bey mit denkbar eleganten Arrangements, in denen sie souverän und mit Liebe zum Detail die Geschichte Schwarzer Musik zitiert. Sie entführt uns in den rauchigen Jazz-Keller, aber genauso zur HipHop-Blockparty, Mariah-Carey-Gedächtnis-Koloraturen sind eben- so selbstverständlich wie ein Reggae-Beat oder trockene Raps. Diesen Eklektizismus kennt man von Yaya Bey, aber nie fügte er sich so organisch in den Gesamtsound und damit in den Dienst der Sache, die bekanntlich kompliziert ist.