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BDS: Die Intendantin der Ruhrtriennale erklärt die erneute Einladung der Young Fathers

Eigentlich sollten Young Fathers bei der Ruhrtriennale (9. August bis 23. September), dem internationalen Musik- und Kunstfestival, seitens der Veranstalter boykottiert werden. Ursprünglich stand die Band auf dem Programmplan, wurde vor knapp zwei Wochen allerdings wieder ausgeladen. Grund ist wiederum der Boykott Israels, dem sich die Rapper aus Schottland via BDS angeschlossen haben. Nun macht das Festival eine Kehrtwende und bietet den Young Fathers wieder einen Auftritt an. Die Entscheidung wurde bereits am Donnerstag bekannt, nun äußerte sich die Intendantin des Festivals dazu.

Festivals im Fokus einer politischen Debatte

Die Geschichte ist kompliziert und kontrovers: BDS steht für Boycott, Divestment, Sanctions. Die Bewegung begann einst dafür zu plädieren, dass in rechtswidrigen israelischen Siedlungen hergestellte Produkte boykottiert werden sollten. Mittlerweile hat sich der Einfluss und das Meinungsspektrum innerhalb der Organisation BDS aber ausgeweitet. Statt der Unterstützung der palästinensischen Gebiete scheint sich der Fokus viel stärker gegen den Staat Israel direkt zu richten, antisemitische Tendenzen innerhalb der Bewegung werden oft nicht mehr verschleiert.

Der Boykott der Mitglieder und Unterstützer des BDS zielt jedoch ebenso auf die kulturelle Isolation Israels. Speziell in Großbritannien finden sich dafür namenhafte Unterstützer: Roger Waters hatte zuletzt bei seiner Deutschland-Tour enthemmt von israelischer Propaganda im Zusammenhang mit seinen Tickets gesprochen sowie den Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung angegriffen. Dazu steht er als prominentester Fürsprecher des BDS hinter Kampagnen, die Künstler wie zuletzt Nick Cave dazu aufforderten, ihre Auftritte in Tel Aviv abzusagen.

Kooperation

Die Young Fathers unterstützen dieses Gedankengut ebenfalls. Sie sagten im vergangen Jahr ihre Teilnahme am Berliner Pop-Kultur-Festivals 2017 ab. Wegen eines marginalen Betrags, den der Staat Israel einer Künstlerin für die Reisekosten nach Berlin zur Verfügung stellte, forderte der BDS vor allem arabische Acts dazu auf, die Teilnahme beim Pop-Kultur-Festival abzusagen. Die Young Fathers folgten dem Aufruf als Unterstützer der Anti-Israel-Kampagne, wofür sie nun Mitte Juni von der Ruhrtriennale ausgeschlossen wurden.

 

Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp äußerte sich nun im Deutschlandfunk und erklärte, warum die Künstler aus Schottland wieder eingeladen werden. Man möchte niemanden zensieren, es solle bei der Veranstaltung nur um Musik gehen. Ein weiterer Beweggrund für die Kehrtwende könnte allerdings auch sein, dass nach Boykott-Aufrufen des BDS gegenüber der Ruhrtriennale fünf weitere Acts mit einer Absage drohten. Carp sei laut eigener Aussage wichtig, dass weder Rassismus noch Antisemitismus oder anderes ausgrenzendes Verhalten in den Werken der Künstler zum Ausdruck kommen darf. Die Nebenaktivitäten oder politischen Engagements der Künstler sind anscheinend zweitrangig für sie.

Die Ein- und Ausladung der Young Fathers ist mehr als eine Polit-Posse um eine Kulturveranstaltung. Innerhalb weniger Jahre haben es die Mitglieder und Unterstützer des BDS geschafft, die verhärteten Fronten in der Diskussion um Israel und die palästinensischen Gebiete in die Musikszene zu tragen. Besonders umstritten sind dabei die Mittel, mit denen Unterstützer des BDS Künstler unter Druck setzen. Das Pop-Kultur-Festival 2018 in Berlin leidet allein schon unter der politisierten Atmosphäre: Künstler wie John Maus sagten ihre Teilnahme für 2018 (15.-17. August) bereits ab.


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