„„She’s Gotta Have It“


Nora Darling (Tracy Camilla Johns) will alles, vor allem Unabhängigkeit. Sie liebt drei Männer. Von Greer (John Terrell), dem gelackten Karrieristen mit den schillernden Kreditkarten und manirierten Gesten, läßt sie sich groß ausführen und verwöhnen. Mit Mars (Spike Lee, der 29jährige Regisseur selbst) blödelt sie herum und liefert sich spritzige Wortgefechte. Jamie (Redmond Hicks), der Poet, der Sensible unter den dreien, bringt ihr aufopfernde Tiefe entgegen.

Aus diesen drei Charakteren formt Nora sich eine Art idealen Liebhaber, eine Vierecks-Affäre als ideale Beziehung. Die Männer verzehren sich vor Eifersucht. Doch Spike Lee zeichnet keine Beziehungsdiagramme und geht auch nicht mit psychoanalytischer Schwerfälligkeit an die Geschichte. Er trifft vielmehr über die Beziehungskisten das Lebensgefühl seiner Generation. Und die ist intelligent, lebenslustig, witzig und schwarz. Spike Lee, die Schauspieler und das Team sind schwarz und sie lassen sich nicht auf klischee- und verkaufsträchtige Ghettoabenteuer ein. Es geht um die Twens des Brooklyner Bildungsbürgertums.

Wegen des rasanten Wortwitzes, des skurrilen Humors und nicht zuletzt wegen seiner dicken Brille wurde Spike Lee von den Kritikern zum schwarzen Woody Allen erkoren, Das mag insofern richtig sein, als Lee immer genau auf den Punkt trifft und vollkommen unspektakulär Spannung schafft, indem er das Publikum eineinhalb Stunden lang so tief in eine Atmosphäre zieht, daß es mehr Erleben als Betrachten ist.

Doch während Allen die bemüht intellektuellen Manhattan-Spinner eher bissig porträtiert, bezieht Lee eindeutig Stellung zu „seinen“ Leuten. Er zeigt den überdrehten Witz seiner Welt und nicht seine Welt mit überdrehtem Witz; das rückt ihn viel eher in die Nähe von Godards „Außer Atem“ als von Aliens „Stadtneurotiker“. Spike Lee erzeugt keinen wie auch immer gearteten Thrill (auch wenn er ein paar der schönsten Sexszenen der Filmgeschichte inszeniert hat), sondern souveränes Tempo. Und hinter seinem Humor ist ein bißchen Genie. Nicht umsonst dreht der Mann Videos mit Miles Davis.

Kinostart: 26. Februar