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Ein Dokumentarfilm über das Spannungsfeld zwischen kulturellem Anspruch und Wirtschaftlichkeit in der Festivalindustrie

Skandalös: Supreme arbeitet mit Hentai-Zeichner Toshi Maeda

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Einerseits ist sie eine von vielen Supreme-Collabs, die wir hier vorgestellt haben. Einerseits. Auf der anderen Seite aber war wohl noch keine Zusammenarbeit der Streetwear-Brand so auf(sehener)regend wie diese mit Toshi Maeda.

Maeda ist einer der Pioniere des Hentai – übersetzt in diesem Kontext etwa: Perverses sexuelles Verlangen. Was Maedas Zeichnungen schon recht gut beschreibt. Bezeichnet wird er als Tentakelmeister und damit als Begründer der Tentakel-Pornografie. Der Begriff klingt genau so befremdlich wie das, was er beschreibt: Im Japan der Achtziger waren pornografische Darstellungen zwischen Mann und Frau gesetzlich verboten, was Maeda dazu animierte, männliche Genitalien durch Tentakeln zu ersetzen. Logisch! Weniger absurd wirkt das Ganze lediglich dadurch, dass diese Art der Erotik in Japan bereits im 19. Jahrhundert auftauchte – Maeda zitiert sie also lediglich.

Maedas Darstellungen gehen häufig über Akte im gegenseitigen Einvernehmen hinaus. Das mag man Kunst nennen oder einfach nur krank – sein Schaffen bleibt Teil eines beliebten und extrem polarisierenden Genres, Maeda der Meister eines verstörendes Handwerks. Die Kollaboration ist wohl in erster Linie zu verstehen als eine Art der Ehrerbietung an Maeda – denn getragen können wir uns die (im Vergleich recht milden!) eindeutigen Grafiken nur in wenigen Situationen vorstellen. Zweifelhaft, ob sie ähnlich schnell vergriffen sein wird wie andere Releases des Streetwear-Riesen – wohnen doch viele seiner Anhänger noch im Elternhaus.

Hardcore-Fans Maedas finden die gemeinsame Kollektion ab dem 27. November im Online-Shop von Supreme.


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