SOVETSKOE FOTO

Lauter, härter, schneller" — so schallte die Forderung aus dem Publikum, kaum war der erste, noch mit leichter Unsicherheit vorgetragene Song verklungen. Den Leuten kann geholfen werden, dachte sich der schräge Vierer aus München und drehte auf. Prompt bekam Sänger Stefan Busch nrößte Schwierigkeiten, sich in dem Getöse Gehör zu verschaffen.

Sovetskoe Foto: bizarr der Name, bizarr auch die Musik. Sie zerfällt zumeist in zwei Teile. Zum einen bestehen die Songs aus packenden, durchschlagenden Rhythmen, zu denen Gitarre und Gesang leicht identifizierbare Melodien entwickeln. Dann jedoch folgen abrupte Breaks, in denen Gitarrist Walter Sterr brachial-metallische und atonale Soli abfeuert, um danach wieder in den wohlklingend pulsierenden Gruppen-Schoß zurückzukehren.

Während Trommler Marx Turiaux einen geraden, schnörkellosen Beat spielt, produziert Baskenmützen-Träger Georg S. Huber dazu auf seinem Fünfsaiten-Baß virtuose Variationen — zusammen bilden die beiden eine wuchtige Rhythmus-Walze. Immer wieder jedoch halten sie inne. und Klampfer Sterr schert mit seinen schräg einfliegenden, nervenzerfetzenden Attacken aus. Auf merkwürdige Weise unverbunden stellt die Band Konvention und Experiment nebeneinander.

Georg S. Huber und Walter Sterr bilden den Kern von Sovetskoe Foto. Ihre vielfältigen Einflüsse beziehen sie unter anderem von den Residents. von Material, den Golden Palominos und The Fall. Ferner stehen sie auf Fred Frith und John Zorn, die beide auf ihrer neuen Platte THE ART OF BEAUTIFUL BUTLING mitspielen. Nach den stoischen Gesichtern der vier Bayern zu urteilen, ist ihre experimentell angehauchte Musik eine sehr ernste Angelegenheit. Show-Einlagen waren deshalb bei diesem Konzert nicht drin. Am Ende jedoch hellten sich die Mienen auf: Locker und gelöst kehrten sie auf die Bühne zurück, um dem Berliner Publikum seinen dringenden Wunsch nach zwei Zugaben zu erfüllen.

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