Steely Dan

Wie grüne Blitze huschen in der Dunkelheit die Bäume entlang des Freeways Richtung New York an mir vorbei. Ich nehme sie kaum wahr —- in Gedanken bin ich noch beim Steely Dan-Konzert. Es hat mir nämlich nicht gefallen, und ich will wissen warum. Bin ich eine Nörgeltasche? Werde ich alt? Oder lese ich zuviel ‚Spiegel‘? Nein, daran kann es nicht liegen. Da lästerte Kultkritker Greil Marcus gar garstig zwei Seiten lang über die Reunion der Eagles. Vielleicht hätte er lieber mit mir zu Steely Dan gehen sollen. „Nostalgia is a mild form of depression“, sagt Donald Fagen, Keyboarder und Sänger des Zwei-Mann-Unternehmens, zwischen zwei Songs. Das hat er sicherlich ironisch gemeint, damit aber auch gleichzeitig das Motto des Abends verkündet. Von den 11.500 Besuchern an der ausverkauften Jones Beach, einem an drei Seiten von Wasser umgebenen Amphitheater auf Long Island, sind etwa 80 Prozent älter als 35 Jahre. In entsprechend erwachsener Verfassung geben sich Donald Fagen und Walter Becker. Leider ist dabei die Inspiration auf der Strecke geblieben. Die Musik klingt glatt und schlaff -— gepflegte Langeweile, gefällig, handwerklich hochklassig, im Sound glasklar, aber absolut belanglos. Am Ende geben die fast 12.000 Nostalgiker Becker und Fagen stehende Ovationen. Ich gehe. Zuhause stürme ich zum Plattenspieler und lege ‚Aja‘ auf. Erleichterung —- mit mir ist alles in Ordnung. Das Konzert war schwach, und die Platten bleiben hörenswert. Merke: Magie gibt es nur für Momente, und Nostalgie behindert die Kunst.

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