The Beautiful South


POPSTARS SIND EITEL UND WEHLEIDIG. LIEBER BLEIBEN sie mit Wehwehchen zu Hause, als körperlich angegriffen ihre Pflicht zu tun. Denkt man. Beautiful South-Sänger Paul Heaton ist definitiv nicht eitel. Er hat sich vor kurzem das Knie lädiert, kann nur humpeln und geht am Stock. Das ist nicht sexy anzusehen. Andererseits weiß Heaton auch, daß das Konzert seiner Band von den Fans sehnlich erwartet wurde. Die Halle ist gut gefüllt. Also tritt Heaton mit schmerzverzerrtem Gesicht auf und macht aus der Not eine Tugend. Aus seinem Malheur soll sich der running gag des Abends entwickeln. Das Geschehen auf der Bühne ist ohnehin nicht allein von Heaton abhängig. The Beautiful South bestehen auch aus Jacqueline Abbott und Dave Hemingway, die immer dann Sangesinitiative ergreifen, wenn der Chef hinter der Bühne eine Kunst- oder Pflegepause einlegen muß.Abbotts kräftige Stimme haucht den gefeierten Hits „Rotterdam“ und „Don’t Marry Her“ Soul ein. Hemingway-der einzige der drei Sänger, der keinen Notenständer mit Textblatt vor sich hatverhält sich unauffällig und konzentriert sich auf seine Passagen. Das von ihm gesungene „Lure Of The Sea“gibt dem Gig einen düsteren Touch. Huch, Finsternis im schönen Süden? Man mag es kaum glauben, denn vielen Kompositionen der Band haftet seichte Idylle an, die live schnell in gepflegte Langeweile ausarten kann. Doch The Beautiful South haben dieses Problem inzwischen im Griff. Die sechsköpfige Besetzung wird durch Musiker an Keyboards, Percussion und Blasinstrumenten verstärkt. Vor allem die „Kick Horns“ machen ihrem Ruf mit gezielten Trompeten- und Saxophonstößen alle Ehre. Letzte Verkrampfungen beseitigt Heaton im schmuddeligen Tweedmantel, wenn er auf wackeligen Füßen tanzt, den Stock wegwirft, damit dirigiert oder mit Jacqueline Abbott schäkert. Es sind der in Wesensart und Songtexten durchschimmernde britische Humor und eine seltene Volksnähe, die dem Konzert seinen Charme verleihen. Niemand hat hier das Gefühl, unnahbaren Stars gegenüberzustehen. Statt dessen wird lauthals mitgesungen bei Hits wie „You Keep It All In“ oder der Trinkerballade „Liar’s Bar“. Beautiful South – the people’s band. Mit dieser Leistung haben sie ihre führende Stellung im klugen Pop-Entertainment bestätigt.