The Doors – Strange Days

29 Mit dem immensen Erfolg ihrer ersten LP „The Doors„“ (siehe Platz 15) im Rücken, machten sich die Mannen um Jim Morrison mit großem Selbstvertrauen an ihre zweite Platte. Dennoch spielten sie auch eher belanglose Songs wie „You’re Lost Little Girl“, „Unhappy Girl“ oder „My Eyes Have Seen You“ ein. Auch das elfminütige „When The Music’s Over“ wurde zunächst als bloßer Abklatsch von „The End“ verspottet. Erst spät erkannt man, daß dieser „Song“ außergewöhnliche und wegweisende Qualitäten aufwies: Er besaß — im Gegensatz zu „The End“ — keinen systematischen Spannungsbogen, war keine geschlossene Einheit. Er wirkte eher wie ein gigantisches Puzzle und verlangte mit seinen jaulenden Dissonanzen ungeteilte Aufmerksamkeit beim Hören. Jim Morrison lief einmal mehr zur Höchstform auf, interpretierte „When The Music’s Over“ in der Art eines Schamanen, versah den Text mit Versatzslücken aus der indianischen Mythologie. Es finden sich aber noch andere unvergeßlich magische und morbide Songperlen auf dem Album: der Blues „Love Me Two Times“ zum Beispiel, der für Vietnam-Soldaten geschrieben wurde. Oder das kurze“.Horse Latitudes“: Hier benutzten die Doors die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten der konkreten Poesie, d.h. sie ließen Bierdosen in Metalleimer fallen, stöhnten, schrien und schickten alles durch Echokammern und Phaserkabinette. Die düstere Kraft und Geschlossenheit ihres Debütalbums erreichten die Doors zwar nie wieder, doch die musikalische und lyrische Kraft Jim Morrisons und die vielen schaurig-schönen Momente lohnen den Kauf von „Strange Days“ noch heute.

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