The Pogues


I am going, I am going where streams of Whiskey are flowing.“

„Eh, Shane! Wie alt sind wir?“

brüllt Flötist Spider quer durch den Saal. „Waaas???“. schreit Shane zurück, schaut mich entsetzt an und nimmt erst mal ’nen kräftigen Schluck.

„Wie alt sind wir denn nun?“. kräht es wieder aus der Ecke. „Gott, ich dachte, Spider hätte vergessen, wie alt er ist“, seufzt der junge Gitarrist neben mir und grinst erleichtert von einem seiner abenteuerlich abstehenden Ohren zum andern, und zeigt dabei seine winzigen, spitzen, dunklen Zähne. „In dieser Besetzung sind wir zwei Jahre alt – und bring mir n großes Glas Bier mit. Für die Lady hier auch. „

Hier wird ernsthaft getrunken, liebe Freunde; so warnten uns kundige Betreuer vor der ersten Begegnung mit der neuesten Londoner Band-Sensation irischer Herkunft. Natürlich hatten wir etliche Vorabinformationen genossen, der Name z. B., im Irischen heißt nämlich „Pogue Mahone“ I.m.a.A. – aha. Und die LP RED ROSES FOR ME hörten wir auch, ein recht verwirrendes Werk. Stell Dir mal vor. Heino würde mit den Scorpions als Begleitband bayrische Volkslieder auf ner Kölner Karnevalsfeier zum Besten geben – hackevoll wie tausend Russen. Hinkt natürlich, dieser Vergleich, aber wir haben hierzulande ja ohnehin ein recht gestörtes Verhältnis zur Volksmusik.

In Großbritannien, speziell in Irland und Schottland ist das anders. Da wird in Kneipen noch gesungen – wie vor hundert Jahren. Daher überschlägt sich die englische Presse auch jubelnd vor Begeisterung angesichts dieser Band, die „mit lärmender Brutalität ihre besoffenen Einfälle hautnah, sentimental und mit gewinnender Wärme zum Besten gibt. „(Rose Rouse, Sounds). Rose hat recht, ich hab’s erlebt.

Zurück zur Band. Shane MacGowan und Spider Stacy präsentieren im Oktober ’82 Lieder irischer Rebellen im „Cabaret Futura“ von Richard Strange. Ein voller(!) Erfolg. Man stockt zur Band auf: Jimmy Feamley (Akkordeon), Jem Finer (Banjo). Rocky ORiordan (Baß; sie spielte u. a. mal mit Edwynn Collins von Orange Juice: der will allerdings heute nichts mehr davon wissen) und Andy Ranken (Drums).

Zwei Jahre später Plattenvertrag, Ende vergangenen Jahres erscheint besagtes Debüt-Album. Es gab Tourneen, z. B. mit King Kurt, den ungekrönten Bananen-Eierpampe-Königen, und auch mit – Elvis Costello! Shane: „Er sah uns, war beeindruckt. Wir fragten ihn.

und er hatte nichts dagegen.“ Wart ihr da nicht geschmeichelt? Wieso? Kann Costello doch auch'“

Bei allem Suff und Quatsch soll aber hier betont werden, daß es sich bei den Pogues nicht um ein kurzlebiges Krawall-Ereignis alkoholisierter Natur handelt. Ihre Musik ist toll, besonders, wenn man die Texte versteht. Sie sind engagiert, nicht Pop-Blabla, machen Spaß, ohne blöde zu sein. “ Wir haben zum Leben eine ausgesprochen hedonistische Einstellung!“

Die Pogues sind keine dusseligen Saufköppe – auch wenn sie noch so voll auf der Bühne stehen: allein ihre hingebungsvollen Balladen rühren das Herz. Und sie nehmen sich und ihre Musik absolut ernst. „Schließlich basiert unsere Musik auf Tradition „

Und wie ist das mit dem Saufen?

„Die meiste Musik rührt schon ewiq entweder von Trauer oder Freude her. Beide Gefühle kommen nach ein paar Bier eher zu Tage Und gewisse Elemente lassen sich durch nen guten Schluck einfach eher inspirieren.“ Stimmt Prost