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Highlight: Mit Rammstein, Kollegah, Nirvana und The Cure: 10 Songs, die für Skandale sorgten

Till Lindemann erntet Shitstorm für Vergewaltigungslyrik – so reagiert der Verlag

++ Triggerwarnung: In diesem Text werden Passagen aus einem Gedicht besprochen und zitiert, die bildhaft Vergewaltigungsphantasien beschreiben. ++

Anfang März veröffentlichte Rammstein-Sänger Till Lindemann seinen Lyrikband „100 Gedichte“, nun ziehen einige der enthaltenen Verse starke Kritik auf sich. So schildert Lindemann in dem Gedicht „Wenn du schläfst“ den Geschlechtsverkehr mit einer schlafenden, unter Betäubungsmittel stehenden Person. „Ich schlafe gerne mit dir wenn du schläfst / Wenn du dich überhaupt nicht regst“, textet er dort und fantasiert im weiteren Verlauf von dem (mutmaßlichen) Träufeln des Schlafmittels Rohypnol in das Glas des Gegenübers. Der Twitter-Nutzer Peter Hintz hatte den Text entdeckt und auf seinem Profil geteilt.

Daraufhin entbrannte eine scharfe Debatte über Kunst- und Meinungsfreiheit unter dem Post – und über die Frage, wie weit Kunst gehen darf. Das Gedicht als bloße Provokation zu sehen, ist in den Augen vieler blanker Hohn. Einige Leser*innen forderten eine Stellungnahme von Kiepenheuer & Witsch, dem Verlag, der Lindemanns „100 Gedichte“ veröffentlicht.

Mittlerweile hat sich dieser, vertreten durch seinen Ex-Geschäftsführer und aktuellen Editor-at-large Helge Malchow, zu Wort gemeldet. Malchow verteidigt das Gedicht mit dem rhetorischen Mittel des „lyrischen Ichs“. In einem Twitter-Statement teilt er mit, dass die Differenz zwischen lyrischem Ich und Autor „konstitutiv für jede Lektüre von Lyrik und Literatur allgemein“ sei. Die im Gedicht dargestellte Fantasie sei unter moralischen Gesichtspunkten selbstverständlich zutiefst verwerflich, sie dem Autor aber persönlich zu unterstellen, falsch.

In dem Pressetext zu „100 Gedichte“ heißt es wie folgt: „Till Lindemann ist bekannt als Sänger und Texter von Rammstein. Unabhängig davon schreibt er seit über 20 Jahren Lyrik. Seine oft kurzen, pointierten Gedichte treffen den Leser direkt, überraschen und erschüttern. Die Texte umkreisen Till Lindemanns Themenkosmos in immer wieder neuen und originellen Varianten und erinnern an die Traditionen deutscher Lyrik seit der Romantik: Die Natur. Der Körper. Die Einsamkeit. Die Gewalt. Die Liebe. Das Böse. Die Tiere. Der Schmerz. Die Schönheit. Die Sprache. Der Tod. Der Sex … Till Lindemann spielt dabei mit den klassischen Formen der Dichtung, dem Volkslied, dem Abzählreim, der Ballade und findet immer seinen eigenen Ton, zu dem auch Komik und Ironie gehören.“



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