„Time’s Up“: Hunderte Hollywood-Stars sagen sexueller Belästigung den Kampf an

Ausgelöst durch Artikel über die systematischen Belästigungen des Filmproduzenten Harvey Weinstein, beschäftigen die #MeToo-Enthüllungen seit Monaten die Entertainment-Branche. Etliche Frauen erzählten von Momenten, in denen sie von Regisseuren, Produzenten und Schauspielern belästigt oder gar vergewaltigt wurden, die Karrieren einiger Stars, die sich für unantastbar hielten, wurden im Eiltempo beendet. Bestes Beispiel: Kevin Spacey, der verschiedene Männer belästigt haben soll und sich in den 80ern einem 14-Jährigen (dem heutigen „Star Trek“-Darsteller Anthony Rapp) aufdrängen wollte. Wenige Tage nach den entsprechenden Meldungen schmiss Netflix Spacey aus „House of Cards“, Regisseur Ridley Scott ersetzte ihn im Film „All the Money in the World“ durch Christopher Plummer.

Nachhaltiger als Twitter-Urteile und gecancelte Projekte sollen zahlreiche juristische Verfahren sein, die nun von Behörden in den USA und England gegen Weinstein, Brett Ratner und andere Persönlichkeiten laufen, die in den vergangenen Monaten öffentlich bezichtigt wurden. Um Frauen – auch außerhalb der Entertainment-Branche – besser vor Belästigung und Übergriffen zu schützen, haben sich nun mehr 300 Künstlerinnen zusammengeschlossen und die Initiative „Time’s Up“ gegründet. „The clock has run out on sexual assault, harassment and inequality in the workplace“, heißt es selbstbewusst auf der Website der Initiative.

Spenden für Rechtsbeistand

„Time’s Up“ (hier geht es zur Website) richtet sich ganz konkret gegen sexuelle Belästigung und Ungleichheit in der Filmindustrie und auch dem restlichen Berufsalltag in den USA, Schauspielerinnen wie Maggie Gyllenhaal, Cate Blanchett, Meryl Streep und Gwyneth Paltrow gehören zu den Mitbegründern. Die Künstlerinnen haben einen Fond ins Leben gerufen, dessen Geldmittel zum Beispiel für Rechtsbeistand eingesetzt werden sollen. Bisher wurden schon Spenden in Höhe von 13 Millionen US-Dollar in den Fond eingezahlt, darunter von Steven Spielberg und Streep.

Des Weiteren möchte die Initiative, die mit viel Prominenz und Geld ausgestattet ist, Gesetzesvorlagen anstoßen, die mehr Gleichberechtigung am Arbeitsplatz fördern und Unternehmen und deren Köpfe für sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz bestrafen. Pünktlich zu Neujahr verbreiteten zahlreiche Mitglieder von „Time’s Up“ die Ziele und den Zweck der Initiative via Twitter, Instagram und anderen sozialen Medien.

Die Neugründung ist nicht die einzige organisierte Reaktion auf die gefühlt unzähligen Enthüllungen im Rahmen der #MeToo-Affäre. Diverse TV-Sender und Filmstudios haben im Dezember eine Kommission gegründet, die gegen die „weit verbreiteten Kultur der Übergriffe und des Machtmissbrauchs“ ankämpfen soll.

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