Review

U2 und „Days Of Ash“: Politrock, der unter die Haut geht

U2 melden sich mit „Days Of Ash“ zurück – wütend, brillant und politisch. Warum diese EP zu den stärksten Veröffentlichungen der Band gehört.

Still zu sein, das war keine Option mehr. Nicht für Bruce Springsteen. Nicht für U2. Die Lautsprecher der 80er-Jahre sind wieder da.

Zwar mag die neue Generation codierter und effektiver protestieren. Dennoch ist es tröstlich, dass U2 mit „Days Of Ash“ ihre Wut im Bauch nun auch umsetzen. Auch dafür ist diese Band ja da.

Politische Dringlichkeit als musikalischer Antrieb

Die Kernsongs stehen am Anfang dieser EP: „American Obituary“ handelt von der Erschießung von Renee Nicole Good durch ICE-Agenten in Minneapolis. Das Stück ist akut – die politische führt zur musikalischen Dringlichkeit. Der Vintage-Rock erinnert an die Stone Roses auf „Second Coming“, hätten die damals eine Botschaft gehabt.

„The Tears Of Things“ verhandelt religiösen Wahn; einen schöneren Song haben U2 ewig nicht mehr komponiert, Bono singt ihn brillant. „Songs Of Future“ hat tolle Gitarrenparts von The Edge und erinnert an die Iranerin Sarina Esmailzadeh, die nach Misshandlungen des Regimes starb. „One Life At A Time“ ist dem palästinensischen Aktivisten Odeh Hadalin gewidmet, auch er Opfer der Gewalt.

Politrock gegen das Vergessen

Politrock gegen das Vergessen, so gespielt, dass er fesselt. Der Autoscooter-Pop „Yours Eternally“ mit Ed Sheeran am Ende? Geschenkt. Wobei: Ein ganzes Album mit „carnival vibes“ soll folgen.

Die ME-Wertung: 4 Sterne

U2 Days Of Ash EP - COVER ARTWORK

U2 mit „Days of Ash“ – die EP-Tracklist:

  1. American Obituary
  2. The Tears of Things
  3. Song of The Future
  4. Wildpeace – von Yehuda Amichai, gelesen von Adeola, mit Musik von U2 und Jacknife Lee
  5. One Life At A Time
  6. Yours Eternally (feat. Ed Sheeran & Taras Topolia)