Wanderer zwischen Sprachwelten


Peter Hammill, ex-Van der Graaf Generator und Mulfi-Künsfler mit Kultstatus, schrieb für Grönemeyer Englisch und ließ auf seinem Eigenwerk .Fix On The Mix" Heinz-Rudolf Kunze in Deutsch dichten. ME/Sounds erklärt er, warum.

In den 25 Jahren meines Schaffens habe ich immer neue Wege und Herausforderungen gesucht. In Deutsch zu singen ist für mich eine sehr große Herausforderung!

Ich interessiere mich seil vielen Jahren für deutsche Sprache und Kultur. Ich habe Deutsch kurze Zeit in der Uni gelernt, allerdings auf seltsame Weise — ich war Wissenschaftler, und lernte reines Fachdeutsch. Meine verwendbaren Deutschkenntnisse reichen also allenfalls für Kneipen oder Bahnhöfe.

Meine ersten beruflichen Berührungspunkte mit der Sprache liegen einige Jahre zurück. Ich sang 1 980 auf Peter Gabriel’s deutschsprachigem Album, aber eigentlich nur, weil ich das auf der englischsprachigen Fassung auch schon getan hatte. Vor etwa fünf Jahren begann ich dann die Texte von Herbert Grönemeyer zu übersetzen. Angesichts meiner bescheidenen Sprachkenntnisse war ich wohl eine ungewöhnliche Wahl für diesen Job. Ich denke aber, daß meine Erfahrung als Song-Schreiber und Sänger, und das Wissen, daß ein Lied unweigerlich nicht mehr dasselbe sein kann, wenn es in einer anderen Sprache gesungen wird, alle Mängel ausgleichen konnten. In vielen Jahren auf Tour habe ich gelernt, die Unterschiede zwischen Kulturen in Sprache und Lebensstil zu beobachten und zu schätzen. Genau diese kulturellen Unterschiede machen aus einer wörtlichen Übersetzung immer nur eine Aneinanderreihung toter Wörter. Echte Übersetzungsarbeit bringt oft massive Veränderungen mit sich. Man kann nur sein Bestes tun und hoffen, Geist und Inhalt des Originals so gut wie möglich zu bewahren. Das war erstes Ziel meiner Arbeit für und mit Herbert, und ich habe dabei eine Menge gelernt.

Letztlich war für mich die Zeit reif, die Geschichte in umgekehrter Form zu versuchen. Es war klar, daß ich meine Texte nicht selbst übersetzen konnte, und ich bin sehr froh, dafür jemanden wie Heinz Rudolf Kunze gefunden zu haben. Wir verstehen, wie ich meine, Grenzen und Möglichkeiten einer Übersetzung auf dieselbe Weise. Lieder, die er bearbeitet hol, sind nicht mehr identisch mit meinen englischen Originalen, und das sollen sie auch nicht sein — um in einer anderen Sprache lebendig zu wirken, mußten sie verändert werden. Und ich hoffe, daß meine Aussagen, — wegen der ich zuallererst schreibe und singe —, jetzt auch ein Publikum erreichen können, bei dem bislang immer eine Sprachbarriere zwischen seiner eigenen Wahrnehmung und 6er eigentlicher Bedeutung war.

Das Anliegen? Mit meinen Liedern gleichzeitig seltsam familiär und doch offensichtlich fremd zu wirken. Wer will, hört einfach zu.“