„Jackass“: Das machen die MTV-Chaoten heute


Sie waren Rockstars, ohne jemals gemeinsam Musik gemacht zu haben: Johnny Knoxville, Steve-O, Bam Margera und Co.. Vor „Jackass“ waren sie tätowierte Profiskater, Stuntmen oder Straßenclowns, nach „Jackass“ waren sie Celebrities. Die Reality-Serie, die von 2000 bis 2002 über drei Staffeln hinweg auf MTV lief, wurde auf der Stelle Kult. Weil ihre Protagonisten darin nicht mehr oder weniger taten, als sich selbst zu spielen, plötzlich dafür bezahlt wurden, Berufsjugendliche zu sein und das eigentlich altgediente TV-Format des Streichespielens auf ein, nun ja, neues Level hievten: Allein der Voyeurismus der Zuschauer bescherte „Jackass“ anfangs grandiose Quoten. Jeder wollte wissen, auf welche beschissene Idee zwischen Fäkalhumor und Selbstverstümmelung diese Kerle diesmal kamen, wen sie damit verarschten – und wie weit sie in ihrer Schmerzfreiheit tatsächlich gingen.

Es folgten diverse Filme des „Jackass“-Franchise, der kurzzeitige Aufstieg ihrer Hauptfigur Johnny Knoxville – und der Abstieg einiger seiner Mitstreiter. Einige litten oder leiden unter Alkohol- und Drogensucht, über Wee Man oder Steve-O kursierten gar immer wieder Todesgerüchte. Mit Ryan Dunn starb 2011 aber ein anderer „Jackass“-Star nach einem Autounfall. Diese Nachricht hielten viele für einen Fake, einfach weil man den „Jackass“-Typen so einen Scherz zugetraut hätte. 2015 starb auch Bam Margeras Onkel Vincent „Don Vito“ Margera, der in „Jackass“ diverse Gastauftritte hatte.

Kamen Anfang der nuller Jahre ganz groß raus: Johnny Knoxville und die „Jackass“-Jungs, hier in einer Szene aus „Jackass: The Movie“, 2002.
Kamen Anfang der nuller Jahre ganz groß raus: Johnny Knoxville und die „Jackass“-Jungs, hier in einer Szene aus „Jackass: The Movie“, 2002.

18 Jahre nach dem Durchbruch mit „Jackass“: Was ist eigentlich aus den Stars von damals geworden? Hier eine kleine Übersicht.

Johnny Knoxville:

Hat „Jackass“ 1998 mit erfunden und galt als Kopf der Truppe. Seit deren Auflösung – ihr letzter Film „Jackass 3.5“ erschien 2011 – verdingt er sich wieder leidlich als Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent. Knoxville hat drei Kinder und ist seit 2010 zum zweiten Mal verheiratet.

Steve-O:

Steve-O wurde als Clown auf einem Flohmarkt rekrutiert und übernahm bei „Jackass“ die Rolle des mutigsten lebensmüdesten Stuntmen von allen. Markenzeichen: Kotzen auf Kommando und sein Rücken, auf den er ein Porträt von sich selbst tätowierte. 2008 wiesen Knoxville und Co. ihn wegen Drogen- und Alkoholsucht sowie Selbstmordgefahr ein, seit 10 Jahren ist er clean und tritt immer wieder mal öffentlich in Erscheinung. 2009 etwa machte er bei „Dancing With The Stars“ mit, 2015 protestierte er gegen SeaWorld in Los Angeles. 2011 war er sogar bei „Germany’s Next Topmodel“ zu sehen.

Bam Margera:

Profiskater und Mädchenschwarm. Verdingte seine halbe Familie bei „Jackass“, bekam danach mit „Viva La Bam“ seine eigene TV-Show auf MTV, trat in etlichen anderen Formaten als er selbst auf – und gilt seit Jahren als alkoholabhängig. Im Dezember 2017 wurde Margera zum ersten Mal Vater.

Ryan Dunn:

Ryan Dunn war stets einer der sympathischsten Kerle der „Jackass“-Crew.

Dunn war stets der nette, bärtige Typ, der für jeden Spaß zu haben war. Für einen Sketch etwa stopfte er ein Spielzeugauto in ein Kondom, führte sich beides anal ein und ließ sich röntgen. Ryan Dunn starb mit 34 Jahren 2011 bei einem Autounfall unter Alkoholeinfluss. Seinen Tod hielten viele anfangs für einen schlechten Scherz, eben weil man solche Scherze der „Jackass“-Crew jederzeit zugetraut hätte. Ihm zu Ehren kursierte für einen eventuell kommenden neuen „Jackass“-Film der schöne Arbeitstitel „We’re Not Dunn Yet“.

Wee Man:

Ohne Jason „Wee Man“ Acuña hätte es „Jackass“ vielleicht nie gegeben: Er arbeitete damals für das Skateboard-Magazin „Big Brother“, für das der erfolglose Schauspieler und nun als Journalist und Autor arbeitende Johnny Knoxville einen Text über Selbstversuche schrieb. Heute betreibt er u.a. ein Taco-Restaurant in Kalifornien, tritt immer wieder mal als er selbst auf und landete 2012 mit „Elf Man“ seine erste Hauptrolle in einem Familienfilm (für den er auch als ausführender Produzent arbeitete).

Chris Pontius:

Auch um diesen „Party Boy“ genannten Schauspieler, Stuntman und Musiker wurde es nach „Jackass“ ruhiger. Klar, er moderierte noch „Wildboyz“ mit Steve-O. Danach aber war er nur kurzzeitig in TV-Serien wie „Raising Hope“ und „Loiter Squad“ zu sehen. 2018 könnte sein kleines Comeback bevorstehen: In Johnny Knoxvilles kommender Komödie „Action Point“ übernimmt er die Hauptrolle – neben Johnny Knoxville selbst.

Preston Lacy:

Preston Lacy war „Der Dicke“ der „Jackass“-Truppe. Neben regelmäßigen Gastauftritten schrieb er jedoch auch am Drehbuch der Show und allen Filmen des Franchise mit. Auch in den Credits von „National Lampoon’s TV: The Movie“ wird er geführt.

Dave England:

Ein Exot unter den Exoten: Dave England war und ist Profi-Snowboarder, nicht Skater. Bei „Jackass“ war er stets die erste Wahl seiner Buddies, wenn es um Fäkalstreiche ging.

Ehren McGehey:

Wer war das nochmal? Ach ja, der Typ, dem ein Zahn fehlte! „Danger Ehren“ drehte früher eigene Stuntfilmchen und wurde so von „Jackass“-Produzent Jeff Tremaine entdeckt. Er führt einen Skateshop, lebt in Portland und war deshalb kurz in der Serie „Portlandia“ zu sehen.

Hauptverantwortlich für „Jackass“ waren übrigens Jeff Tremaine als Regisseur und Spike Jonze als Erschaffer und Produzent. Tremaine drehte danach auch alle weiteren „Jackass“-Produktionen, Jonze führt seine davor schon erfolgreiche Regiekarriere („Being John Malkovich“, „Adaptation“, diverse Musikvideos) mit Filmen wie „Where The Wild Things Are“ und „Her“ fort. Er arbeitet außerdem als Creative Director für Vice Media Inc. Ein neuer „Jackass“-Film? Ist wahlweise vom Tisch oder zumindest gedanklich noch immer in der Pipeline – je nachdem, wen der Jungs man im Interview wann danach fragt.

Zur Auffrischung der „Jackass“-Idiotie gibt es hier ein Highlight-Video mit einigen der spektakulärsten Stunts der Gruppe:

Paramount Pictures Getty Images
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