Welt im Kochtopf


Johannes Enders verfeinert mit Enders Room unbeirrbar sein innovatives Soundsüppchen.

Er ist der Jazzmann, der mit seinem Sound auch die Indie-Aner erreicht. DerWeilheimer Johannes Enders, dem informierten Pop-, Indie- oder Elektronik-Freund vor allem durch seine Arbeit mit The Notwist, Fauna Flash oder dem Tied & Tickled Trio bekannt, macht mit seinem (Semi-)Elektronik-Projekt Enders Room immer mehr Hörer mit Sinn fürs Interdisziplinäre auf sich auf merksam: Auf dem mittlerweile dritten Enders Room-Album HOTEL alba ist erneut ein Panoptikum von Einflüssen zu hören, von John Coltrane und Wayne Shorter über Aphex Twin und Radiohead bis hin zu Stevie Wonder.“.Das mit den Einflüssen ist wie mit so einem Süppchen, das man in seinem Kochtopf immer weiter kocht“, sagt Enders.

In seinem Falle ist der Kochtopf das eigene Homestudio, wo der baumlange Multiinstrumentalist seit Anfang 2005 an den Tracks feilte. Unter anderem mit dem Ehrgeiz, die elektronischen Anteile in seinervielschichtigen Musik noch zu verfeinern -und über eine persönliche Hürde zu springen: Erstmals hat der Tüftler auf einem seiner Alben auch bei ein paar Tracks gesungen,, .weil ich die Leute so nochmal auf eine ganz andere Weise erreichen kann als durch das Saxophon. „Was dabei unter anderem herumkommen soll, ist ein Blick auf die Welt according to Enders Room:.. Man kann entweder Musik machen, die von der Welt ablenkt, oder solche, die das eigene Welterleben ausdrückt“, ist der 39-Jährige überzeugt.

Er entschied sich für letzteres, auch weil er kein,, musikalischer Museumswärter“ sein will. Eine Art künstlerischer Spiegel ihrer Zeit werden die Enders Room-Werke damit zwangsläufig. Dafür, dass Enders eben diese Zeit durchaus kritisch sieht, klingt die Musik auf hotel Alba verblüffend positiv. Da purzeln schräge Housebeats absichtsvoll übereinander, wird ein bisschen verschmitzt mit Italo-Disco gespielt, sich sinnlich im Dub gesuhlt, in schwelgerischen Ambientsounds gebadet, da werden impressionistische Klangbildergebastelt und zwischendrinjazzig improvisiert. Es hört sich so an, als hätten auch die Gäste wie u.a. die Acher-Brüder von The Notwist dabei ihren Spaß gehabt, die Kellertüfteleien des Masterminds schließlich in finale Tracks zu verwandeln. Nicht ohne Grund: geht es Enders doch auch darum, „sich mit der Realität auseinanderzusetzen und dennoch eine optimistische, sozusagen .kindliche‘ Weltsicht zu bewahren.“ Da helfen zum Beispiel eben auch Erinnerungen an das Hotel Alba, in dem der Steppke Johannes einst mit seinen Eltern Ferien machte. (Tourtermine von Enders Room siehe Seite 134)

www.enders-room.de