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Meinung

Wenn Hans Meisers Rauswurf keine Satire ist, dann blamiert sich auch Jan Böhmermann

Da ist Jan Böhmermann mutmaßlich der nächste mittelgroße Medien-Coup gelungen: Nach einer vermeintlichen Enthüllungs-Geschichte des Vice-Magazins macht seit Dienstag die Meldung die Runde, dass der ehemalige Talkshow-Moderator Hans Meiser bei der als verschwörungstheoretisch geltenden Seite Watergate.tv sein Geld verdiene.

Dies wäre traurig, aber nicht weiter erstaunlich – seit Elmar Hörig wissen wir, wohin es einst verdiente Moderatoren so hintreiben kann, wenn der Erfolg nachlässt. Meiser arbeitet aber auch für Jan Böhmermann. In dessen Sendung „Neo Magazin Royale“ tritt Meiser unregelmäßig als Bundespräsident Hans Meiser Steinmeiser und als „Der kleine Mann“ auf, und als solcher vertritt er in einem Satireformat Wutbürger-Positionen wie die der Menschen, die der Hetze und Angstmacherei von Seiten wie Watergate.tv tatsächlich glauben. Dieser Widerspruch gliche also einem handfesten Skandälchen, bloß: Weder Jan Böhmermann noch Hans Meiser können eigentlich so nachlässig gewesen sein, wie die Geschichte es hier vorgibt.

Jan Böhmermann ist nicht nur Moderator und Satiriker, sondern auch Journalist. Seine Formate, Witze und „Enthüllungen“ zeichnen sich deshalb zwar oft durch Kritik, Zynismus oder Albernheit aus, genauso oft aber auch durch ordentlich recherchierte und geplante Arbeit. Wir denken da weniger an seine bewusst plumpe Xavier-Naidoo-Parodie zu den „Hurensöhnen Mannheims“ oder seinen ausführlichen Max-Giesinger-Rant samt eigenem Deutschpopsong „Menschen Leben Tanzen Welt“, sondern daran, wie er mit dem Mittelfinger von Yannis Varoufakis die deutsche Medienwelt an der Nase herumführte oder wie er einen eigenen Kandidaten bei „Schwiegertochter gesucht“ einschleuste.

Kooperation

Große Blamage oder große Verschwörungskunst

Es wäre doch arg peinlich und unwahrscheinlich für diesen Böhmermann und sein Team, wenn mit Meiser einer aus ihren eigenen Reihen bei ausgemachten Gegnern anheuert. Wir erwarten deshalb stündlich das große Erklärvideo, in dem Böhmermann aufzeigt, wie einfach oder schwer es war, Watergate.tv Hans Meiser als prominenten Moderator unterzujubeln. Das hat er mit #varoufake und #verafake schon so schön vorgemacht, das wäre die einzige Aufklärung, die uns milde stimmte. Bitte, Jan Böhmermann, lass‘ es so gewesen sein! Nur deshalb kann das Statement Eurer Firma bildundtonfabrik so ironisch ausgefallen sein, nur deshalb bestimmt meldest Du als großer Verschwörungstheorien-Kritiker Dich nicht persönlich zu der Angelegenheit zu Wort! Und nur deshalb reagiert Hans Meiser so ungehalten auf die Nachfrage der Vice-Redaktion!

Wenn alles wirklich so kommt, wie wir hier spekulieren, hätte Böhmermann zudem einen weiteren Scoop auf seiner Seite: Wie Meiser da in den Videos von der „Jagd nach der Wahrheit“ spricht, den Bürgern Angst macht und indirekt sogar Geld eintreibt, das ist schon ganz große Verschwörungskunst. Meisers jüngere Vergangenheit deutet aber gleichzeitig daraufhin, dass der Mann wirklich nicht so prinzipientreu ist, wie seine Rolle als „Der kleine Mann“ glauben lässt: Im Januar gab Meiser bereits fragwürdige Anlagetipps, und dass dieses Engagement von langer Hand ebenfalls von Böhmermann initiiert wurde, um Meisers Watergate.tv-Auftritte noch glaubwürdiger erscheinen zu lassen, ist dann doch leider ziemlich unwahrscheinlich.

 


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