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Konzertbericht

Wer braucht Robin Schulz, wenn man Mura Masa haben kann!

von

Allen Bedenkenträgern aus dem Lager „Junge DJs spielen heutzutage nur langweilige Sets“ sei ein Konzertbesuch von Mura Masa empfohlen. Am Dienstag, den 12. April 2016, konnte man im Berliner Postbahnhof selbst die größten Beat-Legastheniker und Körperkläuse dabei beobachten, wie sie im Afterwork-Modus den inneren Mini-Prince zum Bouncen brachten. Das Schöne daran: Kein verdammtes Saxophon musste dafür von einem „Star-DJ“ wie Felix Jähn oder Robin Schulz penetriert werden. Schuld an dieser subjektiv gefühlten Qualitätssteigerung war der talentierte, 20-jährige DJ und Produzent aus Großbritannien mit dem bürgerlichen Namen Alex Crossan.

Mura Masa ist neben Hudson Mohawke und Flume einer von mehreren sehr jungen Produzenten, die das Ruder in der Szene übernehmen. Um diese Tatsache zu unterstreichen, hatte man als Supporting-Act den ebenfalls blutjungen deutschen Newcomer-DJ Bluestaeb ausgewählt. Der ist wie Mura Masa bei Jakarta Records gesignt und machte eine Stunde lang mit Trap, Funk, Bossanova und HipHop-Beats das Publikum heiß auf den Haupt-Act des Abends. An der Stelle sei noch schnell auf den Soundcloud-Account des Guten verwiesen, lohnt sich!

Mura Masa kam pünktlich um 22 Uhr auf die Bühne und hatte sich eine sehr gute Sängerin mit einer sehr schönen Frisur (so wie die von Vic Mensa) mitgebracht, die bei den Hits „Lovesick“, „Firefly“ und „What If I Go?“ perfekte Akzente setzte. Live-Gesang, Xylophon-Einsatz, Drumkits und Keyboards: Mehr braucht es heutzutage kaum, um als DJ einen geilen Auftritt hinzulegen – sofern man seinen Kram beherrscht, und das tat Mura Masa. Die Kids im Publikum feierten die Performance dementsprechend mit funky Moves und angemessen viel Johlen.

Interessant für ein Twentysomething wie die Autorin dieses Textes: Kaum war Mura Masa nach gut 45 Minuten verschwunden, gab es ein paar Buh-Rufe. Die Jugend von heute wird offenbar schnell ungehalten. Also kam Crossan für eine versöhnende Zugabe doch noch mal auf die Bühne. Weitere Erkenntnis der hier schreibenden Augenzeugin: Hätte sie mit 17 nicht direkt das Handtuch geworfen beim Versuch Platten aufzulegen und Beats selbst zu basteln, wäre sie heute vielleicht auch so ein Babo wie die Jungs im Postbahnhof. Aber davon lässt sich ja hinterher immer träumen. Von daher: Hut ab an Bluestaeb und Mura Masa, so machen DJ-Livesets richtig Spaß.



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