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Kritik

„ZeroZeroZero“ Staffel 1 auf Sky: „Breaking Bad“ in realistisch

Passend zu diesem kühlen Blick auf das Kokaingeschäft, sticht das bläuliche Farbschema, das sich konsequent durch alle acht Folgen zieht, besonders bei Szenen der Lynwoods ins Auge. Die fast monochrom wirkenden Einstellungen untermauern, ganz ähnlich wie bei „House of Cards“, die Kaltblütigkeit und nüchterne Professionalität der Beteiligten. Egal wie gewaltsam, schmutzig und blutig das Geschehen in Italien, Mexiko, den USA, im Senegal und in Marokko auch sein mag – die elegante Bildsprache wird ebenso selten durchbrochen, wie der Kreislauf aus Gewalt, Machtstreben und Geldgier, in dem sich die Protagonist*innen befinden.

Eine blutige Odyssee auf drei Kontinenten, die nur Leid zurücklässt

Ein Kreislauf, der sich über mehrere Kontinente erstreckt, wohlgemerkt: Denn natürlich wird das Handelsschiff aus Mexiko nicht ohne Probleme Kurs auf Italien nehmen. Notgedrungen macht es Station in mehreren afrikanischen Staaten, wo es sogleich in die Hände einer islamistischen Vereinigung fällt und die Serie so ganz nebenbei auch davon berichtet, dass der Konsum illegaler Drogen ebenso zur Finanzierung von Terrororganisationen beiträgt. Dieser genaue Blick auf die lange Odyssee des weißen Pulvers und die vielen Opfer, die es hinterlässt, sind die klare Stärke der Serie. Am Ende haben alle Blut an den Händen – und das ist noch nicht einmal metaphorisch gemeint.

Denn basierend auf der gleichnamigen Reportage des italienischen Journalisten Roberto Saviano, der bereits die Vorlage zur Serie „Gomorrha“ lieferte, erzählt „ZeroZeroZero“ von realen Umständen. Präzise wird untersucht, wie viel Leid und Unheil das Kokain verursacht, noch bevor es überhaupt bei den Konsument*innen angekommen ist. Dabei kommt die Serie ganz ohne einen von existenziellen Fragen geplagten Drogenbaron à la Walter White in „Breaking Bad“ oder die Heroisierung eines Pablo Escobar in „Narcos“ im Zentrum ihrer Geschichte aus.

Das ganze Bild des Drogenhandels wird virtuos, aber mit Längen, erzählt

Originell sind an „ZeroZeroZero“ die Perspektiven der Verkäufer, Broker und Käufer, sowie auch die Erzählweise. Um zu erfahren, welche Handlungen welche Konsequenzen bedingen, wird die Story nämlich nicht immer linear, sondern virtuos aus der Sicht verschiedenster Protagonist*innen vermittelt. Gerade in der ersten Hälfte der Staffel ist eben jene globale Perspektive auf das wohl schmutzigste Geschäft der Welt allerdings auch Ursache ihrer größten Schwäche. Es bleibt nahezu keine Gelegenheit, tiefer auf die einzelnen Charaktere und ihre Beweggründe einzugehen. Dies geschieht erst, und auch dann nur äußerst zaghaft, als die Hälfte der Figuren bereits tot ist. Bevor die einzelnen Erzählstränge miteinander verwoben werden, sorgt das für derartige Längen, dass man beinahe geneigt ist abzuschalten.

Sky Deutschland
Patti Perret Sky Deutschland


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