Spezial-Abo
🔥„Dark“: So endet die Serie nach Staffel 3 | Das ist das Schicksal ihrer Figuren

Kritik

Die Mini-Serie „Unorthodox“ bei Netflix: Die wahre Geschichte einer Emanzipation

„Unorthodox“ beginnt mit einer Flucht – aus der Tristesse einer arrangierten Ehe, vor erdrückenden gesellschaftlichen Erwartungen und der Aussicht auf ein Leben, das sich auf ein Dasein als Ehefrau und Mutter beschränkt. Ohnehin scheint der erst 19-jährigen Esty (Shira Haas) mehr verboten als erlaubt zu sein: Als verheiratete Frau ist es ihr untersagt, langes Haar zu tragen, also wird es kurzerhand abrasiert. Sie erfährt keine Bildung jenseits der schulischen Grundlagen. Und selbst das Musizieren und öffentliche Singen gilt als Tabu, denn es sei zu verführerisch, gar zu arrogant. Ihre Existenz hat in den engen Bahnen zu verlaufen, die ihr die ultraorthodoxe jüdische Gemeinde vorschreibt, in die Etsy hineingeboren wurde.

Den Neustart versucht die junge Frau ausgerechnet im bunten Berlin. Nur mit ein wenig Geld in der Tasche und ohne rechten Plan wie es weitergehen soll, treibt sie durch die Stadt. Mit raspelkurzem Haar und vollkommener Ahnungslosigkeit von alltäglichen Dingen, die der totalen Abschottung der chassidischen Community vom Rest der Welt geschuldet ist, wirkt sie dabei beinahe wie eine ältere Version von „Elf“ aus „Stranger Things“. Die einfachsten Dinge, wie das Bestellen in einem hippen Berlin-Mitte-Café oder das Bedienen eines Computers werden zur Herausforderung. Zu ihrem Glück stolpert sie jedoch bald in eine internationale Freundesgruppe hinein, die ihr nicht nur das Leben in Berlin nahebringt. Da sie alle Mitglieder eines Konservatoriums für musikalische Talente sind, eröffnet sich auch Esty bald die Chance auf ein Vorstellen ihres Könnens vor renommierten Expert*innen. Doch ihr Ausbruch ist kein Schlussstrich – als ihr Ehemann Yanky (Amit Rahav) und dessen Cousin Moishe (Jeff Wilbush) herausfinden, wo sie sich aufhält, folgen sie ihr, um die getürmte Ehefrau zurückzuholen.

Eine Mini-Serie fast so authentisch wie eine Doku

In Rückblenden wird gleichzeitig immer wieder vom streng religiösen Mikrokosmos erzählt, den die Protagonistin gleich zu Beginn versucht, hinter sich zu lassen. Von ihrem Aufwachsen bei ihrer liebevollen, aber frommen Großmutter und ihrer strengen Tante, die sich mit unerbittlicher Entschlossenheit um einen Ehemann für Esty bemüht. Obwohl ihr kein Mitspracherecht bei der Partnerwahl zusteht, freut sie sich zunächst auf die Ehe und den vermeintlichen Neuanfang. Und tatsächlich scheint der zurückhaltende Yanky anfänglich nicht der allerschlechteste Bräutigam zu sein. Doch unter dem Einfluss seiner Mutter beginnt er rasch enormen Druck auf seine frisch gebackene Gattin auszuüben, als die unter Vaginismus leidende Esty ihrer wichtigsten aller Aufgaben – der Nachwuchsproduktion – nicht nachkommen kann.

Anika Molnar/Netflix Anika Molnar/Netflix


„Nobody Knows I’m Here“ auf Netflix: Er kam, sang und verlor sich
Weiterlesen