Käptn Peng & die Tentakel von Delphi

Expedition ins O

Kreismusik/Soulfood

HipHop, der die tiefen Täler zwischen Wahnsinn und Wortwitz auslotet.

Nein, der deutschen Rap-Gemeinde wird auch dieser zweite Versuch nicht zusagen. Käptn Peng & die Tentakel von Delphi haben zwar nur ein Jahr nach ihrem großartigen Debüt (noch als Shaban & Käptn Peng) mit WILLKOMMEN IM O ein zweites Meisterwerk aufgenommen, aber ihnen fehlt nicht nur der HipHop-Stallgeruch, sondern auch die in diesem Geschäft nötige Selbstüberschätzung und Distanzlosigkeit zum eigenen Ich. Eher im Gegenteil: Wieder rappt der Käptn, der im sonstigen Leben der Schauspieler Robert Gwisdek ist, vor allem über seine geistige Gesundheit, um die es nicht zum Allerbesten bestellt ist. Aber auch dem Zuhörer wird, so verspricht der Rapper, „der Verstand zerfetzt und neu instand gesetzt, mit Sirup überzogen und in Brand gesetzt“. Das eigene Innenleben mag ein eingeschränktes Sujet sein, aber Käptn Peng setzt das mit verzweifeltem Witz und irrsinnigen Wortspielen um in Texte, die man so schwerelos zwischen Weisheit und Wahnsinn oszillierend hierzulande noch nie gehört hat. Der größte Unterschied zum Erstling DIE ZÄHMUNG DER HYDRA ist aber die Musik unter den durchgedrehten Reimen: Die hat diesmal nicht Shaban alias Hannes Gwisdek weitgehend allein am Computer entworfen. Die Beats haben die Tentakel von Delphi, die Live-Band der beiden Söhne von Corinna Harfouch und Michael Gwisdek, mit Gitarre und Bass, auf Reisekoffern und Plastikeimern eingespielt. Auch das, so fantasievoll klappernd und krachend zwischen Neo-Folk und Augsburger Puppenkiste, wird den Gralshütern des HipHop nicht gefallen.