Gang Of Four

What Happens Next?

Membran

Ja, es wird gastgesungen und schweinegerockt: Andy Gills aktuelle Version der englischen Viererbande hat die Sprache des Feindes übernommen.

Mmh, was würde wohl als Nächstes passieren? Nach der für diese Gang schon sehr schwer buchstabierbaren „Wiedervereinigung“ im Jahr 2004 folgt nun die dritte Platte im Comeback-Modus, nur noch Andy Gill ist aus der Urbesetzung der späten 1970er dabei. Nicht, dass man von Bandgründer, Gitarrist und Songwriter Gill und den neuen Gang-Mitstreitern eine Fortführung der machtvollen Zerstörung des alten Bollwerks Rock erwarten würde, die sie mit den Mitteln von Funk, Dub und Disco so vehement betrieben haben (dafür stehen die Alben ENTERTAINMENT! und SOLID GOLD in alle Ewigkeit).

WHAT HAPPENS NEXT? überrascht dennoch: Es ist die schönste onkelhafte „Wir zeigen’s euch noch mal“-Übung geworden, die man sich so vorstellen kann. Es wird gastgesungen und schweinegerockt, Dark Wave zieht von hinten durchs Fenster rein, und die Türe steht auch Industrial Sounds und Schreitherapie offen. Das finale „Staubkorn“ singt Herbert Grönemeyer. Es klingt, schwer vorstellbar, aber wahr, wie BAP auf einer Droge namens „Sisters Of Mercy“. Inhaltlich besetzen Gang Of Four anno 2015 noch einen Platz im Agitpunk, ihre Songs sind Identitätsstudien vor den Folianten des Weltgeschehens. Dabei haben sie aber stillschweigend die „Sprache“ des Feindes übernommen. Das ist ungefähr so, als ob die Linke die Zerschlagung der Banken fordert und Politik mit dem Instrumentarium der CDU macht. Dieses Album stinkt vom Kopf her.