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„12 Monkeys“: Terry Gilliams Meisterwerk entwirrt und erklärt

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Wer so kurz vor Ostern den Namen Terry Gilliam hört, der denkt eventuell zuerst an „Das Leben des Brian“. Denn an diesem Film hat das Mitglied der Comedy-Truppe Monty Python mitgeschrieben. Doch während seine Kollegen meist ihrem Genre treu blieben, hat sich Gilliam bewusst auch in andere Richtungen umgesehen. Dystopische Science-Fiction ist so über die Jahre hinweg sein Steckenpferd geworden – und zu so einem Werk gehört auch der 1995 erschienene Film „12 Monkeys“.

Und auch ganze 26 Jahre nach Release kann das Werk – befeuert durch eine Serienadaption, die über vier Staffeln hinweg von 2015 bis 2018 lief – nach wie vor auf eine treue Fanbase blicken. Auch im Fernsehen wird „12 Monkeys“ immer mal wieder auf gute Sendeplätze gehoben – wie am heutigen Mittwochabend, den 31.03., um 20.15 Uhr von Kabel eins.

Warum der Film auch heute noch funktioniert? Weil er wie ein 129-minütiges Rätsel ist, in dem nicht nur die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen, sondern auch Raum und Zeit nicht den uns bekannten Regeln folgen. „12 Monkeys“ ist deshalb beim ersten Mal überwältigend und belohnt eher mehrfaches Anschauen, weil überall im Film kleine Hinweise auf das verblüffende Finale versteckt sind.

Wir entwirren die teils paradoxen Fäden des Blockbusters und erzählen in einfachen Worten, was zur Hölle Terry Gilliam da nun eigentlich auf Film gebannt hat.

Die paradoxe Suche nach dem Ursprung eines Virus’

Im Jahr 2035 wird es James Cole (Bruce Willis) aufgebürdet, nach dem Ursprung eines tödlichen Virus’ zu suchen, das einen Großteil der Menschheit ausgerottet hat. Wissenschaftler*innen schicken ihn dazu in der Zeit zurück und statten ihn nur mit einem einzigen Hinweis aus: 12 Monkeys – der Name einer Gruppe, die irgendwas mit dem Virus zu tun haben soll.

Nur klappt das offenbar auch in der Zukunft noch nicht so gut mit den Zeitreisen. Denn Cole landet gleich zweimal hintereinander in der falschen Zeit. Zunächst im Jahr 1990. Dort versucht er die Menschheit vor dem Killervirus zu warnen, wird umgehend für verrückt erklärt und in die Psychiatrie eingewiesen. Da angekommen, gerät er an den vermeintlich durchgeknallten Geffrey Goines (Brad Pitt) und die Ärztin Dr. Kathryn Railly (Madeleine Stowe).

Nach dem zweiten Versuch findet sich Cole in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges wieder, was auch nicht viel besser ist.

Alle guten Dinge sind 3

Erst der dritte Schuss trifft ins Schwarze und damit ins Jahr 1996. Dort eröffnet sich Cole ein scheinbar leicht verständliches Bild: Er trifft den mittlerweile aus der Psychiatrie entlassenen Goines, der Mitglied der 12 Monkeys ist. Außerdem leitet dessen Vater eine virologische Forschungseinrichtung. Für Cole ist die Sache klar, er glaubt, den Ursprung des Virus’ gefunden zu haben.

Da Cole eine sehr eigenwillige Definition von „Verbündete suchen“ hat, entführt er kurzerhand Dr. Railly und will sie vom drohenden Ende der Menschheit überzeugen. Doch die Sache gestaltet sich noch schwieriger als gedacht. Denn Cole leidet zunehmend unter Flashbacks, in denen er sich als Kind an einem Flughafen sieht. Schon bald brechen sich diese Wahnvorstellungen bahn in Coles Realität.

Letztlich gelingt es Cole jedoch, Dr. Railly von seiner Realität zu überzeugen. Aber die Spur der 12 Monkeys führt in eine Sackgasse. Denn die Gruppe ist in Wahrheit nicht viel mehr als eine Ansammlung übermotivierter Tierschützer*innen, die Zootiere aus ihren Gefängnissen befreien wollen. Währenddessen tritt jedoch Dr. Peters, ein Mitarbeiter von Goines Vater, aus dem Schatten. Und jetzt kommt es: Er ist in Wahrheit derjenige, der das Virus auf die Welt loslassen will.

Das Ende ist der Anfang ist das Ende

Cole verfolgt Dr. Peters bis zum Flughafen, wird dort aber beim Versuch, ihn zu erschießen, selbst von der Polizei umgenietet. Das Virus kann freigesetzt werden, Cole stirbt. Und dabei sieht zu: der kleine Junge aus den Flashbacks, von dem sich herausstellt, dass es Cole selbst ist. Dr. Railley erkennt ihn und lächelt ihm zu.

Währenddessen steigt Dr. Peters ins Flugzeug. Auf dem Nachbarsitz: eine der Wissenschaftler*innen, die Cole aus der Zukunft des Jahres 2035 zurückgeschickt haben. Ende. Die Schleife ist geschlossen. Jedenfalls ist das eine besonders gängige Lesart des Films. James Cole bewegt sich quasi immer und immer wieder im Kreis durch die Zeit und hinterlässt selbst die Hinweise für seine nächste, nachkommende Version.

Die Frage, ob Cole in seiner Mission überhaupt erfolgreich sein kann, stellt sich also erst gar nicht. Denn diesen Regeln zufolge ist die Zukunft festgeschrieben und nicht mehr durch Aktionen in der Vergangenheit zu verändern. Deshalb drängen die Erinnerungen an seinen eigenen Tod immer wieder durch Flashbacks in Coles Bewusstsein – und deswegen endet er in 2035 immer wieder als gefangener Krimineller.

Die 12 Monkeys selbst sind eine falsche Fährte, der nicht nur Cole, sondern auch das Publikum folgt – um dann am Ende alles infrage stellen zu müssen.

„12 Monkeys“ läuft heute (31. März 2021) um 20.15 Uhr auf Kabel eins, kann aber derzeit auch im Abo bei Prime Video gestreamt werden und ist zudem auf zahlreichen VoD-Plattformen zum Leihen sowie Kaufen verfügbar.

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