3 Dont Look Back

US-Dokufilmer Pennebaker folgt dem 23-jährigen Bob Dylan mit „entfesselter“ 16mm-Handkamera auf dessen UK-Tournee 1965. In grobem Schwarzweiß erlebt man Dylan nicht nur auf der Bühne in London, sondern auch backstage, mit Joan Baez im Hotelzimmer Hank-Williams-Songs singend, bei Konzertvorbereitungen, bei einer Party mit Baez und Donovan, oder auch diskutierend im Fond einer Limousine. Dabei entsteht die Spannung nicht zuletzt aus den zum Teil rapiden Stimmungsschwankungen Dylans, der sich unter dem noch ungewohnten Druck seiner Starrolle und auf fremdem britischen Terrain mal schüchtern, dann wieder großmäulig, im einen Moment listig, im anderen wütend, dann wieder charmant geriert, sich aber stets einen Dreck darum zu scheren scheint,ober ein „freundliches“ Bild abgibt. Dieser journalistisch-dokumentarische Ansatz war damals ein krasser und neuartiger Gegenentwurf zu den glamourösen, auf Ikonisierung ausgerichteten Spielfilmen mit denen (etwa in den Elvis-Filmen oderin „A Hard Days Night“) Popstars sonst auf die Leinwand gebracht wurden. Deshalb ist „Dont Look Back“ (ja, ohne Apostroph im „Don’t“) eines der Pionierwerke des sogenannten cinema verite, das zum Vorbild für praktisch alle halbwegs ambitionierten „Rockumentaries“ wurde.

Szenenapplaus: Wie Dylan, ganz schnöseliger aufstrebender Popstar, einen ältlichen Feuilletonmitarbeiter aus der Londoner Redaktion des Time Magazine nach allen Regeln der Arroganz auflaufen lässt.

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