3 Gründe, warum Aespa nicht bloß „just another K-Pop band“ sind

1. Ihre Veröffentlichungspolitik

Aespa, bzw. ihre Produktionsfirma SM Entertainment, hat die Fans der Band erstaunlich langsam angefüttert. Karina, Giselle, Winter und Ningning debütierten am 17. November 2020 mit der Single „Black Mamba“. In den Wochen zuvor hatte man die vier einzeln vorgestellt. Das futuristische, fett produzierte Video knackte gleich mal einen Rekord und war das Video einer K-Pop-Newcomer-Band, das am schnellsten 100 Millionen Plays knackte. Sie brauchten 52 Tage dafür, was sie mit ihrer zweiten Single „Next Level“, die am 17. Mai kam, dann noch mal um 20 Tage unterboten. Zwischen der Veröffentlichung dieser Lead-Singles gab es nur noch eine Cover-Version von Yoo Young-jins Ballade „Forever“. Damit stützte sich der ganze Erfolg der Band bis Anfang dieser Woche lediglich auf diese Songs plus einzelner Remixe, die in 11 Monaten veröffentlicht worden waren, aber schon hunderte Millionen Streams und YouTube-Plays generiert haben. Diese behäbige Release-Tempo ist für die Etablierung einer neuen Band, noch dazu der ersten SM-Girlgroup seit Red Velvet (2014 gegründet), erstaunlich. Vor allem mit Blick auf den immensen Hype, den sie damit auslösten. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass SM Entertainment seine Ressourcen schlichtweg nicht nur auf die Musikproduktion der Band konzentrierte. Gründer Lee Soo-man, der sich gerne als so etwas wie der Kreativdirektor der Band inszeniert, nutzte diverse Vorträge, um Aespa und ihr Konzept vorzustellen. Die Fans, deren offizieller Gruppenname „MY“ ist, hatten also auch anderweitig genug Material, um sich mit Aespa zu befassen.

2. Ihre Vorreiter-Rolle im SM Culture Universe

Lee Soo-man, den wir hier ja bereits ausführlich vorgestellt haben, gilt als Visionär und Technik-Fan, wenn es um die Zukunft des Entertainments geht. Er hat schon vor Jahren den Begriff SM Culture Universe etabliert. Damit meint er eine Entertainment-Welt, die eben nicht nur im Real Life passiert, sondern auch virtuell funktioniert. Er will seine Bands nicht nur auf Konzerte und in TV-Shows schicken, sondern auch Geschichten entwickeln, die als Comic, als Computerspiel oder als App funktionieren. In dieser Welt hätten auch Avatare und sogar Roboter ihren Platz. Als Lee Soo-man Aespa in einem Vortrag am 28. Oktober letzten Jahres vorstellte, wies er ihnen eine Vorreiter-Rolle zu: „In der Zukunft wird es mit dem Voranschreiten der technischen Entwicklungen weitere große Veränderungen im Leben der Menschen geben. Und wie ich schon einmal sagte, glaube ich daran, dass die Entertainment-Welt der Zukunft von Celebrities und Robotern geprägt wird. Das SM Culture Universe (SMCU) ist unser Leitstern dieser Vision. Unsere neue Girlgroup Aespa wird das ersten Projekt sein, das die Tür zur Zukunft des Entertainments durchschreiten wird.“

Wie das funktionieren könnte, ist von Anfang an klar erkennbar: Schon der stilisierte Name soll für die Worte „Avatar Experience“ stehen. In den Aespa-Videos tauchten von Anfang an die Avatare der vier Idols auf. Außerdem gab es einige Monate nach dem Debüt einen Film aus dem Hause SM, der ihre Geschichte und das Konzept beleuchtet. An dem erneut sehr aufwendig, mit Gaming und VR-Referenzen aufgeladenen Video, kann man sehr gut erkennen, dass SM Entertainment die Sache recht groß aufzieht.

3. Ihre Musik

K-Pop hat ja oft damit zu kämpfen, dass außerhalb der Fans des Genres immer viel über die Kultur, die Struktur, das Business, das „Idol System“ und die Skandale gesprochen wird – und man die Musik dabei gern mal unter den Tisch fallen lässt, obwohl die immer noch der größte Spaß an der Sache ist. Aespa sind nämlich nicht nur wegen des ambitionierten Konzepts und der Ästhetik eingeschlagen. „Black Mamba“ und „Next Level“ waren perfekt produzierte, erstaunlich lange und wendungsfreudige Songs, mit perfekt gesungenen, dramatischen Parts und Rap-Einlagen, die man nicht so schnell aus dem Kopf bekommt. Allein der Refrain von „Next Level“ beißt sich auf Tage im Hirn fest – und funktioniert in allerlei TikTok- und Gaming-Kontexten.

Auch die neue Single „Savage“, Titelsong des Mini-Albums, hat diese Qualitäten. Allein der „Get me, get me now / Get me, get me now“-Part und die Choreografie, bei der alle vier mit dem Zeigefinger wackeln und „Zu-zu-zu-zu“ rufen, ist wieder so ein prägender Soundmoment. Zwar können die Songs noch nicht ganz mit dem stets übergroßen Blackpink-Sound mithalten, aber das kann ja vielleicht noch werden. Die 6-Track-EP, die einem nun endlich ein wenig mehr Musik an die Hand gibt, zeigt jedenfalls, dass die vier jungen Frauen von Aespa von futuristischen Popballaden („Lucid Dream“) bis zu überzuckerten Dance-Rap-K-Pop-Bonbons wie „YEPPI YEPPI“ noch einiges im Köcher haben.


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