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„4 Blocks“ und „Rückkehr nach Montauk“ auf der Berlinale: Deutschland liefert ab

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Darüber, dass Thomas Arslans Wettbewerbsfilm „Helle Nächte“ völlig befreit von Ideenreichtum daherkam, haben wir an dieser Stelle bereits gestern gesprochen. Am Mittwoch war es also an Volker Schlöndorff, die Ehre der deutschen Filmer im Wettbewerb wieder herzustellen.

Zumindest hatte er einen herrlich internationalen Cast mitgebracht. Nina Hoss und Stellan Skarsgård sitzen gemeinsam mit dem „Blechtrommel“-Regisseur in der Pressekonferenz. Der Mittwoch auf der Berlinale hatte also einen hohen Starfaktor, der dann am Freitag aber noch von Hugh Jackman und Patrick Stewart übertroffen wird.

Doch Promis hin oder her, wirklich wichtig sind die Filme. me.Movies war in den vergangenen Tagen in den vielen Berlinale-Kinos unterwegs und stellt Euch ausgewählte Filme vom Festival in Form von Kurzkritiken vor:

Gesehen:

„Rückkehr nach Montauk“

Der Schriftsteller Max Zorn lebt in Berlin, kehrt nun aber für eine Lesung nach New York zurück. Für ein Jahrzehnt war er nicht mehr in der Stadt. Und für ein Jahrzehnt hat er seine große Liebe Rebecca (Nina Hoss) nicht mehr gesehen. Obwohl er mittlerweile eine neue Freundin hat, zieht es ihn zu der Frau, mit der es damals nicht klappen sollte. Gemeinsam fahren sie noch einmal nach Montauk – vielleicht hat das Paar ja noch eine zweite Chance.

Die Antwort auf die Frage nach der zweiten Chance gibt Schlöndorff eigentlich schon im Einstiegsmonolog seiner Figur: Nein, manche Beziehungen gehören einfach der Vergangenheit an, selbst wenn die Liebe noch da ist. Und so läuft der Schriftsteller (Stellan Skarsgård), eigentlich ein kluger, weiser Mann, liebestoll einem Wunsch hinterher, der nur auf den ersten Blick noch erfüllt werden kann.

Die Botschaft des vor autobiografischen Momenten nur so triefenden Dramas ist denkbar einfach. Es geht um späte Einsicht und Reue, die Erkenntnis, dass manche Dinge einfach nicht sein sollen. Ein Anwärter auf den Goldenen Bären ist „Rückkehr nach Montauk“ dennoch. Den Dialogen und Darstellerleistungen sei Dank. Dass sich gegen Ende des Films einige Längen einschleichen, ist wohl ein Kriterium, um überhaupt in den Wettbewerb aufgenommen zu werden.

„4 Blocks“

Abseits des großen Berlinale-Rummels am Potsdamer Platz, im Haus der Berliner Festspiele, zeigte TNT seine neue Serie „4 Blocks“, die ab dem 8. Mai offiziell startet. Zwei Episoden wurden als Weltpremiere vorgestellt, das Fazit: Der kleine Sender TNT Serie hält ein Juwel für deutsche Serienfans bereit.

In „4 Blocks“ geht es um arabische Großfamilien und deren kriminelle Machenschaften in Berlin-Neukölln. Die Serie hat in einigen Szenen etwas viel Pathos, ist aber dennoch überraschend authentisch gefilmt. Drohnen-Shots über farblose Bauten, Stress in der Hipster-Bar, Geschwafel über Gentrifizierung – Regisseur Marvin Kren nimmt viel von dem mit, was den Stadtteil im Jahr 2017 bewegt, verliert aber nie das Kernziel aus den Augen. Und das ist schlichtweg der Versuch, eine mitreißende Geschichte zu erzählen.

Trailer:

Regisseur Kren ist Österreicher und sieht aus, als würde er in Neukölln selbst Gefahr laufen, sich im Schellenwald zu verirren. Aber er formt das gut durchrecherchierte Milieu zu einem Plot, der die Gewissensbisse der Hauptfigur Toni schnell auf den Zuschauer überträgt. Toni ist seit Ewigkeiten Kopf einer durch seine Familie geführten Verbrecherbande. Koks ticken, Erpressung, Spielautomaten, Klappe halten. Aber eigentlich will Toni nur raus aus dem Geschäft, braucht dazu nur die permanente Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland. Und auf die wartet er seit nunmehr 26 Jahre. Kida Khodr Ramadan nimmt die ambivalente Rolle in „4 Blocks“ wie selbstverständlich in sich auf und spielt in den ersten Folgen der Serie alles und jeden an die Wand. Obwohl „4 Blocks“ auch so einige Neuentdeckungen wie den Ex-Rapper Veysel zu bieten hat.

Nicht gesehen:

Einen leeren Platz bei der „Rückkehr nach Montauk“-Pressekonferenz. Schlöndorff und sein Team haben den Berlinale-Mittwoch komplett an sich gerissen.

Aufgeschnappter Satz des Tages:

„Also der hätte sich ja auch ruhig mal was Schickes anziehen können“ – ein Gast auf der „4 Blocks“-Premiere. Rapper Massiv, der in der Serie eine Nebenrolle spielt, kam in Sportjacke.

Berlinale
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