Punk Floyd


Trink- und theoriefest: Die Texaner von trail of dead bewegen sich ungewöhnlich elegant zwischen Punk, Progrock und Popkultur.

Conrad Keely und Jason Reece sind zusammen einen weiten Weg gegangen – den steilen Pfad, der von den Ebenen des Punk zu den Gebirgen des Art Rock führt, mit Betonung auf „Rock“. Als sie 2002 mit Source Tags & Codes ihren Durchbruch feierten, wurde die Band aus Austin, Texas, noch als besonders kraftvolle, seltsam epische Variante des alternativen Rock gefeiert. Schon hier herrschte ein spannungsreiches Wechselspiel rabiater und zärtlicher Elemente, von heftigen Rockern und sanften Zwischenspielen. „Was wir erreichen wollen“, sagt Conrad Keely, 39, „ist eine Art lässiger Präzision.“

… And You Will Know Us By The Trail Of The Dead hielt sich von auch nur ansatzweise verkopftem, akademischem Musizieren stets vorsichtig fern. „Uns ging es immer darum, das Rotzige mit dem Bombastischen zu versöhnen.“ In nur zehn Tagen war Tao Of The Dead, ihr neues Albums, fertig. Nicht viel für eine komplexe und rauschhafte Angelegenheit.

Das Cover von Tao Of The Dead hat Keely wieder selbst gestaltet. Ohne falsche Scham spricht er auch von seiner musikalischen Sozialisation. Vom Kirchenchor und von Punk-Platten, aber auch von Pink Floyd oder Yes. Dass seiner eigenen Band ein gewisser Hang zur Opulenz nicht eben fremd ist, räumt Keely gerne ein: „Jason und ich haben als Duo mit Schlagzeug und Gitarre angefangen. Seitdem entfaltet und entwickelt sich die Gruppe, gewinnt Mitglieder und verliert welche, sie wächst, und ihr Sound verändert sich mit“, sagt er, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Aber womöglich ist sie das auch für einen, der das Betriebsgeheimnis seiner Gruppe so zusammenfasst: „Wir machen Progrock mit einem Punk-Zugang.“

Albumkritik S. 94