Album der Woche

Mustafa

When Smoke Rises

Regent Partk/Young Turks/Beggars (VÖ: 28.5.)

Die Stimme von Stevie Wonder und der politische Kampfgeist von Joan Baez? Ein 23-Jähriger schwingt sich mit Rhythm’n’Folk’n’Blues zum größten Songwriter und Sänger seiner Generation auf.

Wer beim Aufstieg von Rauch an einen neuen Papst denkt, denkt in diesem Fall etwas zu klein: WHEN SMOKE RISES markiert den Aufstieg des jungen Muslims namens Mustafa, 23, den sie „the poet“ nannten, weil er als Kind und als Teen Gedichte über sein runtergerocktes, hochkriminelles Sozialbauviertel Regent Park, Toronto, schrieb – und von dem als sicher gelten kann, dass er der größte Songwriter und Sänger seiner Generation ist und bleiben wird.

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So ähnlich dürften es auch Jamie xx und James Blake sehen, die mit von der Partie auf dem Debüt hier sind. Auch Drake und The Weeknd zählen schon zur Fancrowd Mustafas. Mustafa, der neben den Reimen aus seiner Feder auch die raue Realität der Straße kennt, ja, der diese Reime schreibt, weil er die Straße kennt, hat Ali, einen seiner besten Kumpels, bei einer Schießerei verloren. Drogen, Clans und Kriminalität.

Ein neuer Typus Männlichkeit klingt an

Im Opener, der mit einer zart Joni-Mitchell-haft gezupften Gitarre beginnt, bevor er Fahrt aufnimmt, beschwört Mustafa einen Buddy, den er familiär-liebevoll „fam“ ansingt, am Leben zu bleiben. Niemand wird eine dieser endlos langen, lichtversmogten Straßen nach ihnen benennen, weder die Clans noch die Politik, egal. Sehr konkret ist „Stay Alive“ ein Flehen, sich den Todesurteilen der Straße zu entziehen,aber im weiteren Sinne ist der Song auch der Versuch, einen Ausweg zu schaffen aus den brutalen Konventionen, die Männer vor ihnen abgesteckt haben – aber die nicht die ihren bleiben müssen. Ein neuer Typus Männlichkeit klingt an, der es zulässt, dass diese beiden Männer auf die sogenannte softe Tour fürsorglich füreinander da sind.

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Und jetzt haben wir noch gar nicht von der wahnsinnsschönen Samt-Stimme geredet, dieser Ausnahmestimme, die etwa beim Wort „outside“ so schauerlich nach unten sinkt („Air Forces“), dass einem angst und bange wird. Mustafa kann alles von Klavierballade („Come Back“) bis zum Upbeat („What About Heaven“). Man könnte fast sagen, er hat den politischen Kampfgeist von Joan Baez und die Stimme von Stevie Wonder – wenn er nicht all dies, und all dies auf einmal, durch sich selber hätte. Mustafa = must-listen.

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