Eine Hommage an Reinhard Mey

Wolkige Wortspiele zu dem Song, den Xavier Naidoo zu Beginn des Albums singt, verkneifen wir uns lieber. Die vertretenen Künstler tragen die alleinige Verantwortung für ihre Beiträge. Es ist eine prächtige Mischpoke, die sich zu diesem zwei CDs starken Tribut am reinhardischen Gesamtkunstwerk (der Sänger, das Lied, die Aussage) zusammengefunden hat, ein Häuflein Aufrechter aus Pop, Rock und HipHop, aus deren Mitte der Geschichtsprofessor Götz Aismann und der „Einzelgänger“ Thomas D. sofort heraustreten. Aismann interpretiert „Das war ich alles ohne dich“ als kribbeligen Western-Swing, Thomas D. gelingt mit „Erbarme dich“ eine aus der eigenen Historie belegte Abrechnung mit qualvollen Tiertransporten. Unter den Gratulanten befinden sich aber auch 4 Your Soul, Glashaus, Stoppok und Luka Neuser, die Liederbrüder Hoffmann und Wecker, die Ulknudeln Dali und von der Lippe. Nathalie Makoma lässt „Gib mir Musik “ mal eben wegluschen, BAP haben Meys Kaspar-Hauser-Geschichte gnadenlos zum kölschen Outsider-Kränzchen umfunktioniert, Ulla Meinecke versucht sich vergeblich am Mörder, der immer immer immer wieder der Gärtner ist. Freunde des sprichwörtlichen Mey kommen hier natürlich auf ihre Kosten, und es ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn einem verdienten Liedermacher (60 Jahre, 500 Lieder, fast 50 Alben und immer wieder ein Häppchen Kulturgut! auf die eine oder andere Art ge- huldigt wird. Wobei man sich hier mehr von der anderen Art gewünscht hätte – machen Blumfeld, Die Sterne, Andreas Dorau oder Justus Köhncke so was eigentlich nicht? Hab ich schon gesagt, dass ich Platten, auf denen die Stimme von Herman van Veen zu hören ist. mit Punktabzug versehe? Bis man merkt, dass der herzige Harlequin hier auftaucht, sind glücklicherweise 17/19 der Hommage verklungen. Und hintendran kommt nur noch Guildo Hörn.

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