Aerosmith :: Honkin On Bodo

Sony Die US-Rock-Institution besinnt sich auf alte Stärken und kehrt zum hart groovenden Bluesrock zurück.

Eine Mundharmonika mit Lippenstiftspuren? Von ihrem Humor haben Aerosmith nichts verloren, wie das Cover beweist. Mit über einhundert Millionen verkauften Alben sind Aerosmith in die Liga der Unantastbaren aufgestiegen. Sie können es sich leisten, ihrem geliebten Blues ein Album zu widmen, ungeachtet der Tatsache, dass dieses Genre inzwischen kommerziell kaum noch eine Rolle spielt. Versuchten sie auf ihrem vorletzten Album justpush play noch allen Ernstes, mit Pop-Sternchen a la Britney und N’Synczu konkurrieren, gewinnen sie so immerhin ihre Glaubwürdigkeit zurück. Die Idee stammt bereits aus den frühen Neunzigern, damals kam ihnen Eric Clapton mit from the cradle 11994) zuvor. Zehn Jahre später ist es nun so weit, die Bostonians unterziehen elf Klassiker einer Frischzellenkur, lediglich das batladeske „The Grind“ stammt von ihnen. Dabei gehen sie arbeitsteilig vor: Die Band aus Joey Kramer (drl, Tom HamiUon (bl und Brad Whitford Ig] kümmert sich um Wurzeln und Bodenhaftung. Gitarrist Joe Perry addiert seine drahtigen Soli, mal mit Slide. mal ohne. Und Steven Tyler sorgt für Witz und Lebensfreude. Das funktioniert über weite Strecken ganz gut: Das PS-starke „Roadrunner“ bekommt einen grofihubig rollenden Groove verpasst. „Baby Please Dont Go“ wird zum schreienden Rock’n‘-Roll-Drama, „You Gotta Move“ mutiert zum krachenden Fußstampfer, angetrieben von der Schubkraft eines Mississippi-Dampfers. Etwas weniger eindrucksvoll dagegen fallen die langsamen Bluesnummern aus. wie „Eyesight To The Blues“, „Km Ready“ und „Temperature“ sind nicht gerade die Stärke der Hard-Groover, stellenweise wirken diese Nummern recht formalisiert. Wenn’s gut läuft, werden die Standards zu Aerosmith-Nummern, wenn nicht, dann bleiben sie, na ja, Blues eben. Die amerikanische Rock-Institution nimmt den Faden ihrer frühen Platten wieder auf, sicher ein Wagnis, doch ihre langjährigen Fans wird’s freuen.

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