Rosa Hoelger
FÜR IMMER GUMMISTIEFEL
Unserallereins/The Orchard (VÖ: 6.2.)
Eine Hippie-Punk-Tante pflügt sich mit freiem Chanson-Folk-Rock durch den Gefühlsmatsch.
Gefühle sind immer für eine Überraschung gut: Da verliebt man sich in einen Reggae-Fan. Am Strand bleibt das lang erwartete Urlaubs-Feeling aus. Oder der Hormonspiegel sorgt für innere Schieflage. Klingt nach Ladykracher-Humor. Aber Rosa Hoelger formuliert emotionale Zustände und Wirrungen so poetisch wie treffend. Sie ist Gefühlsmensch, dabei sehr versiert. Eine Hippie-Punk-Tante, die – im Duett mit Dota Kehr – lieber „Sterne sehen“ will als auf ein Display zu starren. Die Gummistiefelträger mag, gleichzeitig von Typen genervt ist, die immer alles „voll easy“ nehmen. Über Letztere singt sie sich so richtig in Rage, während ihre Band(e) orchestrale Kapriolen schlägt.
Die Schublade Liedermacherin greift hier zu kurz. Mit ideenreich austariertem Instrumentarium spielen Hoelger und Co. chansonesken Indie-Rock auf Element-of-Crime-Spuren, atmosphärische Kunstlied-Balladen und quirligen Folk(-Punk), von reduziert bis schwelgerisch, amüsant bis bewegend, schnodderig bis opernhaft.
In „23 wow“, der Geschichte einer beklemmenden Parkplatz-Begegnung, vokalisiert Hoelger eine Klaviatur an Stimmungen: das lüsterne Gieren des Gegenübers, die eigene Verletzlichkeit, später Wut – auf den anderen, auf sich selbst. Oft sind’s weniger die Gefühle als die Verhältnisse, die gehörig schief hängen.
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.



