PVA
NO MORE LIKE THIS
It's All for Fun (VÖ: 23.1.)
Ist das Synth-Pop? Vielleicht, aber viel mehr ein Taumel finsterer Emotionen.
Was wäre der Musikjournalismus ohne die stetigen Vergleiche? Vergleicht man beispielsweise das zweite Album des Südlondoner Trios PVA mit seinem ersten, offenbart sich eine bemerkenswerte Entwicklung. Wo BLUSH (2023) mühelos unter Electroclash-Revival einsortiert werden konnte, grenzt sich das deepere und auf fette Beats weitgehend verzichtende NO MORE LIKE THIS schon allein durch seinen Titel von der Vergangenheit ab.
Die Band, einst dem Dunstkreis des Londoner Windmill Clubs entsprungen, hat einen Schritt nach vorne vollzogen: Die Referenz für ihre Mischung aus Elektronik und finsteren Emotionen ist nun eher Portishead als LCD Soundsystem, wengleich die PVA-DNA überall durchschimmert. Wichtigstes Brandingtool ist nach wie vor Ella Harris‘ lasziver Sprechgesang, der uns im Opener „Rain“ mit einem verschlafenen „Good Morning“ begrüßt, dann startet ein Song voller glitzernder Elektroakkorde.
Die informierte Hörer:in stellt fest: Der Sound ist vielschichtiger geworden. Hier und da wagt sich Harris sogar an Gesang, wie etwa im fragilen „Anger Song“. Im Verlauf der Platte wird man von blubbernden Synthesizern, dunklen Bassläufen und perkussiver Schepperei (die Band hat einen Drummer aus Fleisch und Blut) durch einen Taumel finsterer Emotionen geführt. Ist das Synth Pop? Vielleicht, aber NO MORE LIKE THIS ragt weit über das Genre hinaus.
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.



