Michael Kemner ist tot: Fehlfarben-Bassist stirbt mit 72 Jahren

Michael Kemner ist am 3. Januar 2025 im Alter von 72 Jahren verstorben. Der Bassist prägte Fehlfarben, DAF und die Neue Deutsche Welle nachhaltig.

Michael Kemner ist am 3. Januar 2025 im Alter von 72 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung verstorben. Dies wurde erst jetzt öffentlich bekannt gemacht. Kemner gilt als eine der prägenden Figuren des deutschen Punk, Postpunk und der Neuen Deutschen Welle.

Fehlfarben schrieben in einem Facebook-Statement dazu: „Unser wunderbarer Bassist und Bandmate hat seinen letzten Kampf verloren. Wir werden dich so sehr vermissen.“ Und auch weiter: „Lieber Michael. Bin so traurig nach so langer Zeit gemeinsamer Musik. Deine Freundschaft bleibt unvergessen wie die Liebe. Am Ende schwimmen wir alle im Meehr wieder zusammen. Ahoi.“

Die Band Extrabreit trauern in ihrem Social-Beitrag unter anderen mit den Worten: „Den meisten als Bassist der Fehlfarben bekannt, war er ein unaufgeregter, freundlicher Kollege, den wir alle sehr mochten. […] Viel Kraft für seine Angehörigen und Freunde.“

Von DAF zu Fehlfarben: Michael Kemners musikalischer Werdegang

Kemners musikalische Laufbahn begann Ende der 1970er in einer Wohngemeinschaft im Grün Inn in Gevelsberg-Silschede. Dort lebte er zusammen mit Kurt „Pyrolator“ Dahlke, Robert Görl und Wolfgang Spelmans. Aus der Jazzrock-Formation You entstand in dieser Zeit ein neues musikalisches Projekt: Deutsch Amerikanische Freundschaft, kurz, knackig und bekannt DAF.

Die Band entwickelte einen eigenen Sound, der nur noch wenig Punk zu tun hatte – reduzierte Arrangements, kantige Rhythmen und körperliche Intensität kennzeichneten die Musik. Als entscheidend erwies sich für sie der Auftritt der britischen Band Wire im Düsseldorfer Ratinger Hof im November 1978. Kurz darauf stieß Gabi Delgado López zur Formation.

1979 führte der Weg DAF nach London, wo sie für das Label Mute den Track „Kebab Träume“ aufnahmen. Michael Kemner war als Mitkomponist maßgeblich an dem Stück beteiligt, das die Atmosphäre von Kontrolle und Paranoia im geteilten Berlin thematisiert. Sein charakteristischer Basslauf – trocken und vom Funk beeinflusst – ist hierbei essenziell.

Der Aufenthalt in einem unbeheizten besetzten Haus in der britischen Hauptstadt endete für Kemner abrupt. Gesundheitliche Probleme, Heimweh und persönliche Gründe veranlassten ihn, DAF zu verlassen und ins Ruhrgebiet zurückzukehren. Diese Entscheidung ebnete den Weg für sein nächstes musikalisches Kapitel.

Der Durchbruch mit Fehlfarben

Nach seiner Rückkehr gründete Kemner gemeinsam mit Peter Hein, Thomas Schwebel, Frank Fenstermacher und dem Sänger Peter Hein die Band Fehlfarben. Das 1980 veröffentlichte Debütalbum „Monarchie und Alltag“ entwickelte sich zu einem Meilenstein der deutschsprachigen Rockmusik. Michael Kemners Bassspiel verlieh Titeln wie „Paul ist tot“ und „Ein Jahr (Es geht voran)“ ihre unverwechselbare Dynamik.

1981 verließ Kemner die Band zunächst. Er machte dann gemeinsame Sache Wolfgang Spelmans als Mau Mau. Zusammen veröffentlichten sie zwei LPs. Danach probierte er sich noch an dem Projekt 20 Colours. In den 1990ern kehrte er jedoch zu Fehlfarben zurück und blieb bis zu seinem Tod Mitglied der Fehlfarben, wobei er in den letzten Jahren aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste.

Biografische Stationen

Michael Kemner wurde 1952 geboren und wuchs am Rande des Ruhrgebiets auf. Seine musikalische Sozialisation erfolgte in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, die sich auch in der deutschen Musiklandschaft niederschlug. Neben seiner Tätigkeit als Bassist arbeitete Kemner über Jahrzehnte hinweg auch als Tontechniker und Produzent. Diese technische Expertise prägte sein Verständnis für Klangästhetik und Arrangements nachhaltig.

Abseits der Bühne führte Kemner ein zurückgezogenes Leben. Er mied öffentliche Auftritte außerhalb musikalischer Kontexte weitgehend und konzentrierte sich auf seine künstlerische Arbeit. Interviews gab er nur selten. Kolleg:innen beschrieben ihn als verlässlichen Bandkollegen mit einem ausgeprägten Sinn für musikalische Präzision. Seine Entscheidungen – ob die Rückkehr aus London oder die erneute Zusammenarbeit mit Fehlfarben – traf er stets nach persönlichen Maßstäben, nicht nach kommerziellen Erwägungen.

Das musikalische Erbe von Fehlfarben

„Monarchie und Alltag“ gilt musikhistorisch als eines der bedeutendsten deutschen Alben der Nachpunk-Ära. Die Platte verband politische Texte mit einer druckvollen, reduzierten Instrumentierung. Anders als viele Vertreter:innen der Neuen Deutschen Welle vermied Fehlfarben simple Pop-Strukturen zugunsten komplexerer Arrangements.

Die Band veröffentlichte nach Kemners Rückkehr weitere Alben, darunter „Glücksmaschinen“ (2002), „Knietief im Dispo“ (2011) und zuletzt „Xistum“ (2023). Während sich der Sound im Laufe der Jahrzehnte weiterentwickelte, blieb Kemners Bassspiel ein konstantes Element. Seine Spielweise – melodisch, aber niemals vordergründig – schuf Raum für die anderen Instrumente und die Texte. Diese musikalische Haltung prägte die Identität von Fehlfarben über verschiedene kreative Phasen hinweg.