Rupert Grint gegen Faschismus: „Natürlich bin ich dagegen“
Rupert Grint positioniert sich bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt deutlich gegen Rechtsruck.
Rupert Grint hat sich auf der Berlinale deutlich gegen den zunehmenden Rechtsruck in Großbritannien positioniert. Der 37-jährige Schauspieler, der durch seine Rolle als Ron Weasley in den „Harry Potter“-Filmen weltberühmt wurde, äußerte sich während einer Pressekonferenz (eigentlich zu seinem neuen finnischen Horrorfilm „Nightborn“) unmissverständlich: „Natürlich bin ich dagegen“, erklärte Grint auf die Frage nach dem Erstarken faschistischer Tendenzen in seinem Heimatland. Er fügte hinzu, dass er sich seine Momente aussuche, wann er sich zu Wort melde, versprach aber: „Ihr werdet von mir hören.“
Die Frage kam nicht von ungefähr. Grint hatte sich bereits in der Vergangenheit zu kontroversen Themen geäußert – insbesondere zum Konflikt mit „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling. 2020 stellte er sich gemeinsam mit seinen Schauspielkollegen Daniel Radcliffe und Emma Watson öffentlich gegen Rowlings umstrittene Aussagen zur Transgender-Thematik. „Ich stehe fest an der Seite der Trans-Community“, sagte Rupert Grint damals der „Sunday Times“. „Trans-Frauen sind Frauen. Trans-Männer sind Männer. Wir alle sollten das Recht haben, mit Liebe und ohne Verurteilung zu leben.“
Die Kontroverse um J.K. Rowling: Was steckt dahinter?
J.K. Rowling geriet im Juni 2020 massiv in die Kritik, nachdem sie auf X einen Artikel kommentierte, in dem von „Menschen, die menstruieren“ die Rede war. Rowling schrieb sarkastisch: „‚Menschen, die menstruieren‘. Ich bin mir sicher, dass es früher ein Wort dafür gab. Helft mir mal, Wumud? Wimpund? Woomud?“ Die Aussage wurde weithin als transfeindlich interpretiert, da sie implizierte, dass nur Frauen menstruieren könnten und Trans-Frauen somit keine „echten“ Frauen seien.
In einem nachfolgenden Essay verteidigte Rowling ihre Position und erklärte, sie wolle die Rechte von Frauen schützen. Sie äußerte Bedenken bezüglich geschlechtsneutraler Räume und der medizinischen Transition junger Menschen. Für viele in der Trans-Community und ihre Unterstützer:innen stellen diese Aussagen eine Gefahr dar, da sie zur Marginalisierung von Trans-Personen beitragen. Rowling argumentierte, dass das biologische Geschlecht eine Realität sei, die nicht ignoriert werden dürfe – eine Position, die als TERF (trans-exclusionary radical feminist) kritisiert wird.
Die Autorin hat ihre Haltung seither nicht geändert, sondern vielmehr verstärkt. Sie setzte sich wiederholt kritisch mit Selbstbestimmungsgesetzen auseinander und äußerte Sorge über „die Auslöschung des Konzepts Geschlecht“. Für LGBTQ+-Aktivist:innen und viele ihrer einstigen Fans sind diese Positionen unvereinbar mit den inklusiven Werten, die in den „Harry Potter“-Büchern selbst zelebriert werden.
Die Reaktionen der Stars
Gegenwind erhielt Rowling auch vom einstigen „Harry Potter“-Cat. Daniel Radcliffe veröffentlichte über die LGBTQ+-Organisation The Trevor Project ein Statement, in dem er klarstellte: „Transgender-Frauen sind Frauen. Jede Aussage, die etwas anderes behauptet, löscht die Identität und Würde von Transgender-Menschen aus.“ Emma Watson postete auf X: „Trans-Menschen sind, wer sie sagen, dass sie sind, und verdienen es, ihr Leben ohne ständig infrage gestellt zu werden.“
Auch Bonnie Wright (Ginny Weasley) bekannte sich zur Unterstützung der Trans-Community, ebenso Eddie Redmayne, der in den „Phantastische Tierwesen“-Filmen die Hauptrolle spielt. Redmayne nannte Rowlings Aussagen „nicht einverstanden“ mit seinen eigenen Überzeugungen. Evanna Lynch (Luna Lovegood) versuchte einen vermittelnden Ton anzuschlagen, betonte aber ebenfalls die Wichtigkeit von Trans-Rechten.
Rupert Grint erklärte ein Jahr nach seiner ersten Stellungnahme gegenüber „Esquire“, er habe „etwas Freundlichkeit in die Welt bringen“ wollen. „Ich denke, es ist wichtig, für das einzustehen, woran man glaubt, und für Menschen und Gemeinschaften, die unsere Unterstützung und Liebe brauchen. Deshalb habe ich mich letztes Jahr geäußert.“
2024 ließ Rowling durchblicken, dass sie keine Vergebung plane: Sie schrieb, Prominente, die sich einer Bewegung angenähert hätten, die hart erkämpfte Frauenrechte untergraben wolle, könnten sich ihre Entschuldigungen für traumatisierte Detransitionierende aufsparen.
Die neue „Harry Potter“-Serie: Kritik an Rowlings Beteiligung
Während der Konflikt weiter schwelt, arbeiten HBO und Warner Bros. an einer neuen TV-Adaption der „Harry Potter“-Bücher. Die Serie soll jedem der sieben Romane eine eigene Staffel widmen und damit deutlich mehr Raum für die Geschichte bieten als die Filme. Viele Darsteller wurden schon bekannt gegeben: Alastair Stout wird unter anderem den jungen Ron Weasley spielen, Dominic McLaughlin schlüpft in die Rolle des Harry Potter, Paapa Essiedu wird zu Severus Snape, John Lithgow gibt den Albus Dumbledore, Nick Frost den Rubeus Hagrid und Johnny Flynn den Lucius Malfoy.
Das Projekt sorgt allerdings für Kontroversen, da J.K. Rowling als ausführende Produzentin fungiert. Kritiker:innen befürchten, dass ihre Beteiligung der Serie schaden könnte, da viele frühere Fans sich von der Autorin distanziert haben. LGBTQ+-Organisationen und Trans-Aktivist:innen haben bereits angekündigt, die Serie zu boykottieren, solange Rowling involviert ist. Warner Bros. hält jedoch an der Zusammenarbeit fest und argumentiert, dass Rowling als Schöpferin der „Harry Potter“-Welt unverzichtbar für die authentische Umsetzung sei.
Die Situation stellt die Produktionsfirma vor ein Dilemma: Einerseits ist die „Harry Potter“-Marke eine der wertvollsten Franchises der Unterhaltungsindustrie, andererseits könnte die Kontroverse um Rowling potenzielle Zuschauer:innen abschrecken. HBO hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert, sondern konzentriert sich in der Kommunikation auf die kreativen Aspekte der Serie. Die Dreharbeiten haben schon im Sommer 2025 begeonnen, Serien-Start ist für Anfang bis Mitte 2027 angedacht.
Rupert Grints Karriere nach „Harry Potter“
Nach dem Ende der „Harry Potter“-Filme 2011 schlug Rupert Grint einen bewusst anderen Weg ein als seine Schauspielkollegen. Statt auf Blockbuster-Rollen zu setzen, wählte er kleinere, charaktergetriebene Projekte. Er spielte in Independent-Filmen wie „Into the White“ (2012) und „Moonwalkers“ (2015) sowie in der TV-Serie „Sick Note“ (2017 bis 2018).
Seinen größten TV-Erfolg feierte Grint mit der Psychothriller-Serie „Servant“ (2019 bis 2023), produziert von M. Night Shyamalan für Apple TV+. In der Serie mimte er über vier Staffeln hinweg einen zwielichtigen Privatdetektiv. Die Rolle ermöglichte es ihm, sich von seinem Ron-Weasley-Image zu lösen und sein schauspielerisches Spektrum zu erweitern. Parallel dazu trat er in der Agatha-Christie-Adaption „The ABC Murders“ (2018) an der Seite von John Malkovich auf.
Mit „Nightborn“, seinem neuen finnischen Horrorfilm, wagt sich Grint nun ins internationale Genre-Kino. Der Film feierte bei der Berlinale Premiere. Grint schrieb dem jungen Alastair Stout, der in der neuen „Harry Potter“-Serie Ron spielen wird, einen Brief, um ihm „den Staffelstab zu übergeben“. „Es ist ziemlich seltsam, dass sich der Zyklus wiederholt“, sagte Grint. „Ich bin wirklich neugierig, wie es werden wird. Ich denke, es ist großartig, dass es etwas völlig Neues ist.“






