„White Feather Hawk Tail Deer Hunter“: Lana kocht, ihr Mann schreibt

„White Feather Hawk Tail Deer Hunter“ sampelt Ella Fitzgeralds Warnung vor der Ehe – und dreht sie ins Romantische. Co-Autor: Lanas Ehemann.

Lana Del Rey sorgt mit ihrer neuen Single „White Feather Hawk Tail Deer Hunter“ erneut für Diskussionen. Laut Credits schrieben ihr Ehemann Jeremy Dufrene, ihre Schwester und ihr Schwager den Song mit. Das wirft Fragen auf – nicht nur wegen der ungewöhnlichen familiären Co-Writer-Konstellation, sondern vor allem wegen seiner inhaltlichen Ausrichtung. Lana Del Rey verarbeitet darin einmal mehr Americana-Motive, ländliche Männlichkeitsbilder und klassische Beziehungsdynamiken, die sie seit Jahren ästhetisch kultiviert.

Schon der Titel verdichtet diese Ästhetik: weiße Feder, Falkenschweif, Hirschjäger – Natur, Jagd, Reinheit, Stärke. Dazu passen Zeilen wie „He likes to push me on this green John Deere mower“, die das Motiv der ländlichen Idylle mit unterschwelliger Erotik verbinden.

Eine irritierende Autorenschaft

Auch Textstellen wie „I know you wish you had a man like him, it’s such a bummer“ befeuern die Debatte. Gleiches gilt für „I know it’s strange to see me cooking for my husband, but it’s positively voodoo“. Spielt Lana Del Rey mit konservativen Rollenbildern oder inszeniert sie bewusst eine traditionelle Ehe-Fantasie? Die Ambivalenz ist typisch für ihr Werk: Zwischen Nostalgie, Provokation und Selbstmythologisierung bleibt stets Raum für Interpretation.

Irritierend ist aber die Autorenschaft. Wenn ihr Ehemann und dessen Bruder tatsächlich an diesem Text mitgeschrieben haben, fragt man sich unweigerlich: Wer spricht hier eigentlich? Wer formuliert Zeilen wie „I love my daddy, of course, we’re still together“ – Lana Del Rey selbst, oder zwei Brüder, die versuchen, weibliche Subjektivität nachzuahmen? Dass dabei eheliche Dynamiken, Rollenbilder und private Bezüge so offen auf dem Tisch liegen, macht eine familiäre Co-Writing-Konstellation geradezu skurril. Noch seltsamer wird es, wenn man bedenkt, dass ausgerechnet der Schwager involviert ist und ihr Ehemann diese Zeilen womöglich über sich selbst schreibt.

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Aus „Laura“ wird Lana

Musikalisch verweist der Song deutlich auf den Jazz-Standard „Laura“ – Titelsong des gleichnamigen Film-Noir-Klassikers. Der Backing-Track sampelt die 1964 erschienene Aufnahme von Ella Fitzgerald. David Raksin komponierte das Stück ursprünglich für den Film; Johnny Mercer steuerte später den Text bei. Lana Del Rey führt beide folgerichtig in ihren Credits auf.

Darüber hinaus könnte Lana Del Reys Verwendung des Ausdrucks „whoopsie-daisy“ den Song „Making Whoopee“ ironisch zitieren. Walter Donaldson komponierte das Stück; Ella Fitzgerald interpretierte es später ebenfalls. Das Original ist ein augenzwinkerndes, letztlich zynisches Lied über Ehe, Ernüchterung und mögliche Scheidung – eine Warnung vor den Fallstricken der Ehe. „White Feather Hawk Tail Deer Hunter“ verschiebt diese Bedeutungsebene: Aus der warnenden Jazz-Ballade wird eine Romantisierung.

Sie bleibt sich jedenfalls treu: Vintage-Referenzen, amerikanische Mythen, Ehefantasie und Selbstinszenierung.