5 posthum veröffentlichte Alben, für die wir dankbar sind

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Nachdem sich Anderson.Paak kürzlich die Anweisung tätowieren ließ, dass man nach seinem Tode keine unveröffentlichten Aufnahmen seiner Musik rausbringen sollte, teilte Lana del Rey ein Foto des Tattoos und schloss sich seiner Meinung an.

 

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Ein Beitrag geteilt von Lana Del Rey (@lanadelrey)

Das ist natürlich ihr gutes Recht. Aber wer auf die Musikgeschichte im Allgemeinen und die Verkaufszahlen üppiger Deluxe-Editionen, für die auch noch der letzte Studiokeller ausgefegt wurde, im Speziellen schaut, der ahnt schnell: Das wird gar nicht mal so leicht. Selbst Künstler wie Prince, die Zeit ihres Lebens sehr kontrolliert veröffentlichten, erwischt es irgendwann. Seit seinem Tod im April 2016 sind gleich mehrere Deluxe-Editionen und gar verschollene Alben veröffentlicht worden, die Prince eigentlich so gut weggeschlossen hatte, dass nur er den Schlüssel besaß. Dennoch muss man in vielen Fällen zugeben: Wenn sich ehrenwerte, geschmackvolle, vertrauenswürdige Leute einem musikalischen Erbe annehmen, können die Ergebnis faszinierend und sogar musikalisch überzeugend sein. Deshalb hier ein kleiner Blick auf fünf Alben, bei denen die Sache gut ausging.

Prince – PIANO & A MICROPHONE 1983

Schwierig, sich eine der posthumen Prince-Veröffentlichungen herauszupicken, denn eigentlich waren alle recht gelungen. Wir entscheiden uns aber für das neun Songs umfassende PIANO & A MICROPHONE 1983, bei dem man Prince so nahe kommt wie selten nicht. In unserer Kritik schrieben wir: „Dass diese raue Aufnahme überhaupt überlebt hat, ist eine Sensation: Prince hat sehr genau darauf geachtet, was auf Bändern bleiben darf und was nicht. Diese Exklusivität legitimiert diese Veröffentlichung, und sie schenkt uns in ihrer willkürlichen Beiläufigkeit ein paar großartige Momente: Ebenfalls nur kurz spielt Prince ‚A Case Of You‘ von Joni Mitchell, sein Falsett ist sensationell. Danach geht er in das alte Spiritual ‚Mary Don’t You Weep‘ über, er bleibt in der Kopfstimme, dringt später aber in die dunkelsten Stimmregister vor – eine Leistungsschau, jedoch nicht mit heiligem Ernst vorgetragen, sondern mit großer Spielfreude.“

 

Joy Division – CLOSER

Eines der besten Alben der britischen Musikgeschichte erschien ebenfalls nach dem Ende der Band und dem tragischen Suizid ihres Sängers Ian Curtis. Gut zwei Monate nach seinem Tod kam „Closer“ in die Plattenläden und schenkte uns unsterbliche Lieder wie „Isolation“ oder „A Means To An End“, die man seit jeher mit einem Stich im Herzen hört.

Mac Miller – CIRCLES

Als der Rapper, Sänger, Songwriter und Produzent 2018 im Alter von 26 Jahren verstarb, war er gerade auf der Höhe seiner Kunst und arbeitete mit dem Produzenten Jon Brion an CIRCLES. Es sollte ein Begleitalbum zu seiner 2018 erschienenen Platte SWIMMING werden, so heißt es in einem Statement. Jon Brion widmete sich nach dem Tod des Rappers „basierend auf seiner Zeit und den Gesprächen mit Malcolm“ der Fertigstellung von CIRCLES. Die beiden Alben SWIMMING und CIRCLES sollen zwei verschiedene Stile darstellen, sich aber ergänzen. Dass CIRCLES ein trauriger Schlusspunkt wird, war also natürlich nicht so geplant, aber trotzdem ist dieses Album in seiner melancholischen Grundstimmung wunderschön geraten. Das finden wohl auch seine Fans. Songs wie „Good News“ oder „Blue World“ zählen bis heute zu den meist gestreamten Songs in seinem an guten Liedern nicht armen Vermächtnis.

Nirvana – MTV UNPLUGGED IN NEW YORK

Perfekte Live-Aufnahmen wie diese sind natürlich eine naheliegende Wahl, wenn ein Musiker oder eine Musikerin auf tragische Weise zu früh von uns gehen. Kurt Cobain starb am 5. April 1994, die Veröffentlichung des MTV UNPLUGGED IN NEW YORK erfolgte im November des gleichen Jahres. Geplant war sie in jedem Fall, aber die ikonische Bedeutung dieses Konzerts, das am 18. November 1993 in den Sony Music Studios in New York City aufgezeichnet wurde, resultierte natürlich auch und vor allem aus seinem Tod. Hier sieht man Cobain noch mal mit all seinem abgehangenen Witz, seiner unverstellten Emotionalität, seiner musikalischen Genialität und seiner Solidarität zu schrägen Künstlern wie den Meat Puppets, die er mit auf die Bühne holte.

The God Machine – ONE LAST LAUGH IN A PLACE OF DYING

Ein wahrlich besonderes Album ist das zweite und letzte der Band The God Machine. Sänger Robin-Proper Sheppard, der mittlerweile als Sophia Musik macht, hatte hier mit seinen Bandkollegen Jimmy Fernandez am Bass und Austin Lynn Austin an den Drums ein Meisterwerk geschaffen, tieftraurig und wuchtig zugleich. Als die Platte 1994 erschien, war die Band Geschichte, da Fernandez an einem unheilbaren Hirntumor litt und gerade verstorben war. Schon bei den Aufnahmen in Prag wussten er und die Band von seinem baldigen Ende – und es ist diese tieftraurige Stimmung, die hier in jedem Lied, im Titel und vor allem im wunderschönen Bass-Spiel von Jimmy Fernandez zu hören ist.


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