Christin Nichols
CHRISTIN NICHOLS
PIAS (VÖ: 24.4.)
Kraftvoller Synthie-Rock mit geschickt eingebauten Stolperfallen und feministischen Standpunkten.
Christin Nichols kommt eigentlich von der Schauspielerei, aber mittlerweile lässt sich schwer sagen, welches ihrer vielen Talente zur Zeit die Oberhand behält. Gerade scheint es das Texten, Singen und Rocken zu sein. Schon mit „Spotlight“, dem ersten Track ihres dritten, selbstbetitelten Albums, gehen die Super Trouper an. Das Stück kommt – wie das gesamte Album – als Hybrid aus The Strokes und Ideal daher, versprüht Dringlichkeit und Power. Was toll ist. Und Spaß macht.
Der Knackpunkt: Man kennt das alles schon, hat es so oder ähnlich bereits so oft gehört, dass die Gefahr eines Nebenbeilaufenlassens besteht. Und das ist schade, weil Nichols wirklich ein Händchen für Themen und Slogans hat. Diese werden leider unter hymnischer Pop-Action zerquetscht. In „Keine Kontrolle“ singt sie über PMMD, eine schwere Form des prämenstruellen Syndroms, und stellt die These auf, dieses würde verhindern, den Laden zu übernehmen, weil es Frauen einmal im Monat wirklich ausknockt. In „Keine Depressionen“ droppt sie den tollen Satz „Es stellt sich raus, ich hab keine Depressionen, es lag einfach nur an dir“ – und in „Bittere Pillen“ kooperiert sie mit der begabten Gwen Dolyn von der Band Tränen, was sich als stimmlich gut matchendes Duett entpuppt.
Besonders schön ist „Andere Frauen“, ein Pamphlet gegen die sich selbst zugeschriebene Deutungshoheit mancher Männer über Frauen und deren Lebensthemen: „Es heißt nicht Beziehungsdrama, es heißt Femizid.“ Dieses Stück geht musikalisch auf wie eine schöne Blüte und ist wirklich wunderbar. Aber sonst überwiegt musikalisch eben leider die Austauschbarkeit der Mittel. Das kann man wollen, das kann man machen, aber ich traue Christin Nichols viel mehr Innovationsvermögen zu.



