Jimmy Kimmel vs. Trump: Clooney verteidigt Moderator nach Witwen-Witz
Nach einem Witz über eine „werdende Witwe" fordert Melania Trump Jimmy Kimmels Entlassung bei ABC. George Clooney stellt sich hinter den Moderator.
Die Spannungen zwischen Unterhaltung, Politik und öffentlicher Rhetorik haben in den vergangenen Tagen in den USA eine neue Eskalationsstufe erreicht. Im Zentrum stehen der Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel, Präsident Donald Trump, First Lady Melania Trump – und nun auch Hollywood-Star George Clooney.
Zwischen Satire und politischer Eskalation
Auslöser der aktuellen Debatte war eine Ausgabe von Kimmels Late-Night-Show vom 23. April. In einer satirischen Einlage zum bevorstehenden Korrespondenten-Dinner in Washington wandte sich der Moderator an eine imaginierte Melania Trump im Publikum und sagte: „Mrs. Trump, Sie strahlen wie eine werdende Witwe.“ Zusätzlich machte er sich über Alter und Gesundheitszustand des Präsidenten lustig.
Die Bemerkung fiel nur zwei Tage vor einem Schusswaffenvorfall am Rande des Korrespondenten-Dinners am Samstagabend, 25. April, in Washington, D.C. Auch wenn kein direkter Zusammenhang belegt ist, entstand in der politischen Kommunikation schnell eine Verbindung zwischen Kimmels Worten und der Tat.
Reaktionen aus dem Weißen Haus
Am Montag, den 27. April, griff die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, diese Line öffentlich auf. „Diese Rhetorik über den Präsidenten, die First Lady und ihre Unterstützer ist völlig verrückt“, erklärte sie und stellte damit einen direkten Bezug zwischen politischer Satire und möglicher Gewaltmotivation her.
Bereits zuvor hatte sich Melania Trump selbst zu Wort gemeldet. In einem Beitrag auf X behauptete sie, Kimmels Aussagen „verschlechtern das kranke politische Klima in den USA“. Gleichzeitig forderte sie Konsequenzen von Sender ABC sowie vom Mutterkonzern Disney.
Wegen seines „verabscheuungswürdigen Aufrufs zur Gewalt“ müsse Kimmel „sofort von Disney und ABC gefeuert werden“, schrieb Donald Trump am 27. April in seinem Onlinedienst Truth Social.
Kimmel äußert sich
Der Moderator ging in seiner Sendung am 27. April direkt auf die Kritik ein – und blieb dabei seinem Tonfall treu. Gleich zu Beginn seines Monologs kommentierte er die Situation mit ironischer Distanz: „Manchmal wacht man morgens auf und die First Lady fordert, dass man gefeuert wird? Kennt man doch, oder?“ Trocken schob er hinterher: „Was für ein Tag.“
Inhaltlich wies Kimmel die Vorwürfe klar zurück. Bei dem umstrittenen Witz habe es sich um „einen sehr harmlosen Roast“ gehandelt, der sich auf das Alter des Präsidenten und den Altersunterschied zu seiner Frau bezogen habe. „Das war in keiner Weise – nach keiner Definition – ein Aufruf zur Ermordung“, stellte er klar und betonte zugleich, dass ihm diese Interpretation bewusst zugeschrieben werde: „Und sie wissen das auch.“
Darüber hinaus verwies Kimmel auf seine langjährige öffentliche Haltung gegen Waffengewalt, die er wiederholt in seiner Sendung thematisiert hatte. Zugleich stimmte er der Kritik an aufgeheizter Sprache grundsätzlich zu: „Ich stimme zu, dass hasserfüllte und gewalttätige Rhetorik etwas ist, das wir ablehnen sollten.“ Abschließend verwies er auf ein zentrales Argument der Debatte – die Meinungsfreiheit: „Ich sollte auch darauf hinweisen, dass Donald Trump sagen darf, was immer er sagen möchte – genauso wie du, wie ich und wie wir alle, denn durch den ersten Verfassungszusatz haben wir als Amerikaner das Recht auf freie Meinungsäußerung.“
Clooney stellt sich hinter Kimmel
Rückendeckung erhielt der Moderator aus Hollywood. Bei der Chaplin-Award-Gala positionierte sich George Clooney klar auf Seiten Kimmels und warnte vor einer generellen Verrohung der politischen Sprache.
„Jimmy ist ein Comedian, und ich würde behaupten, dass Karoline Leavitt nicht meinte, es sollten wirklich Schüsse fallen“, sagte Clooney. „Sie hat einen Witz gemacht. Fair enough. Man schaut auf diese Seite und denkt: ‚Na ja, Witze sind Witze.‘ Aber die Rhetorik ist ein bisschen gefährlich. Und wir haben das in letzter Zeit oft erlebt.“
Clooney weitete seine Kritik über den konkreten Fall hinaus aus und stellte die grundsätzliche Frage nach Verantwortung im politischen Diskurs: „Wenn eine Seite jeden, mit dem sie nicht einverstanden ist, als Verräter am Land bezeichnet – was eine Anklage ist, auf die die Todesstrafe steht – nur weil sie anderer Meinung sind, dann ist die Rhetorik ein bisschen zu aufgeheizt.“
Zugleich verurteilte er jede Form politischer Gewalt deutlich: „Ich bin gegen alles, wofür diese Regierung steht, aber für die Art von Gewalt, die wir vor zwei Nächten in Washington, D.C. erlebt haben, gibt es keinen Platz. Genauso wenig wie für diese Art von Gewalt in Minnesota gegen Alex Pretti oder Renée Good“, sagte er und ergänzte: „Mir scheint, es gibt einen Kampf, der gegen Hass, Korruption, Grausamkeit und Gewalt gewonnen werden muss.“ Dabei betonte er auch seine eigene politische Verortung als Demokrat.
Vorgeschichte eines Konflikts
Die aktuelle Auseinandersetzung ist nicht isoliert zu betrachten. Bereits im September 2025 war Kimmels Sendung auf Betreiben der Trump-Regierung vorübergehend aus dem Programm von ABC genommen worden. Damals hatte der Moderator der MAGA-Bewegung vorgeworfen, die Ermordung des ultrarechten Aktivisten Charlie Kirk politisch auszuschlachten.
Nach massiver Kritik an der Absetzung ruderte der Disney-Konzern zurück und nahm die Show wieder ins Programm. Der Konflikt zwischen Kimmel und dem politischen Umfeld Trumps schwelt damit bereits seit Monaten.






