Rock am Ring 2026: Der Freitag, an dem die Nullerjahre zurückschlugen
Linkin Park, Papa Roach und Limp Bizkit machen den Freitag zu einer wilden Zeitreise.
Linkin Park, Papa Roach und Limp Bizkit – die Headliner am Freitag bei Rock am Ring begleiten einen Großteil der 90.000 Menschen am Nürburgring wohl bereits seit einem Vierteljahrhundert. Sie prangten auf den ersten Bandshirts und auf Postern im Jugendzimmer, halfen durch den ersten Liebeskummer, kanalisierten Wut und Enttäuschung. Heute bleibt es aber nicht bei einer Zeitreise zurück in die wilden Teenagerjahre.
Linkin Park übertreffen alle Erwartungen
Vor 25 Jahren spielten Linkin Park zum ersten Mal beim Ring. Damals ertönte Mr. Hahns Synthesizer-Intro zu „With You“ – ein Moment, der sich ins kollektive Gedächtnis der Ring-Community einbrennen sollte. 2026 wiederholt der DJ den legendären Moment und lässt damit Vergangenheit und Neuanfang über die Zuschauer hereinbrechen.
Emily Armstrong stand mit Eintritt in die Band vor einer Aufgabe, die eigentlich unmöglich schien. Chester Bennington gab Linkin Park die schmerzvolle Stimme, mit der sich so viele identifizieren konnten. Gerade deshalb schätzen es die Fans, dass Armstrong gar nicht erst versucht, ihn nachzuahmen. Stattdessen überführt sie die Songs in die Gegenwart, schreit, singt, wirft sich während „Heavy Is the Crown“ sogar per Stagedive in die Menge – und findet doch besonders in den ruhigeren Passagen ihre eigene Form von Respekt vor Benningtons Erbe.

Mike Shinoda wirkt indes wie der glücklichste Mensch der Eifel. Er lacht, sucht den Kontakt, achtet fürsorglich auf die wogende Menschenmasse vor der Bühne und holt schließlich einen Spickzettel hervor, um dem Publikum auf Deutsch eine Liebeserklärung zu machen: „Danke, dass ihr all die Jahre bei uns wart. Wir lieben Deutschland und wir lieben euch alle.“ Die Message ist schlicht, aber an diesem Abend trifft sie.
Im Gänsemarsch zu Limp Bizkit

Kuschelig, so kann man die Festivalerfahrung dieses Jahr bezeichnen. 90.000 Menschen sind da, Rock am Ring ist ausverkauft. Eng ist es daher auch auf dem Weg von der Utopia Stage zur Mandora Stage, wo ein Großteil den Abend bei Limp Bizkit ausklingen lassen möchte. Dass die Pause zwischen beiden Shows im Vorfeld verlängert wurde, wirkt wie eine gute Entscheidung. Der Menschenstrom bleibt dennoch gewaltig.
Limp Bizkit liefern den spätabendlichen Abriss nach der großen Emotion. Fred Durst und seine Band pfeifen auf eine feine Dramaturgie und gönnen allen stattdessen die große Hit-Schlacht. „My Generation“, „Break Stuff“, „Rollin’“, „My Way“, „Nookie“, „Take a Look Around“ sorgen für Druckausgleich im Publikum. Anders bewegend wird es, als Ritchie Buxton von Ecca Vandal für „Re-Arranged“ die legendäre Bassline des kürzlich verstorbenen Sam Rivers übernimmt.
Papa Roach: Hommage an die Weggefährten der Nullerjahre

Auch andere Acts zeigen sich beeindruckt vom Traum-Lineup: Don Broco ließen sich in den Nullerjahren von Papa Roach, Limp Bizkit und Linkin Park dazu inspirieren, selbst eine Band zu gründen. Später soll Sänger Rob Damiani noch einen Full-Circle-Moment mit Papa Roach erleben, als er für „Between Angels and Insects“ mitsingen darf.
Deren Set ist kurzweilig: „Blood Brothers“, „Dead Cell“, „…To Be Loved“, „Getting Away With Murder“, „Scars“, „Born for Greatness“ – Jacoby Shaddix und seine Band müssen sich nicht auf Vergangenes beziehen, tun es aber trotzdem mit riesiger Lust am Spielen. So zünden sie zum Ende ihres Sets noch ein 2000er-Hit-Medley mit „Blind“ von Korn, „My Own Summer (Shove It)“ von Deftones, „Break Stuff“ von Limp Bizkit und „Chop Suey!“ von System of a Down, bevor ihr eigener Blütezeit-Hit „Last Resort“ folgt.
Auch für Fans der härteren Gangart bietet das Festival wieder einiges: Mit Mastodon, Within Temptation, Architects und vielen mehr wurde wirklich jeder glücklich. Die besten Bilder des ersten Festivaltages gibt es hier zu sehen.
Das Festival blickt indes schon in die Zukunft. Ein großes Feuerwerk kündigt Blink-182 als ersten Headliner für 2027 an.

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