M. Walking On the Water – Kreteld, Kulturfabrik

Deutsche Popmusik hat wieder Konjunktur. Kaum haben wir die Rainbirds und Philip Boas Voodoo Club verdaut, lassen weitere talentierte Teutonen aufhorchen.

Die Kulturfabrik war gerammelt voll. Bei einem Heimspiel von vier Krefeldern kein Wunder. Doch vor den vier Folkrockern mit dem seltsamen Namen M. Walking On The Water agierte erstmal Düsseldorfs spektakulärster Newcomer Jean Park samt Band: ein potentieller Teenie-Star mit süperb geschrammeltem Speed-Pop zwischen Marc Bolan und Prince. Aber dann: Blitze durchzucken die trockeneis-verhangene Bühne, ein paar dubiose Gestalten (eine trägt einen Mullverband mit einem Holzbalken auf dem Kopf) huschen schemenhaft durch das Dunkel. Ohne Vorwarnung bricht ein rasantes Feuerwerk mit kreischenden Gitarren, schrägem Akkordeon, virtuosen Baßläuten und trockenem Schlagzeug über die wehrlosen Zuschauer. High-Speed-Folk zwischen Kirmes und Disco, Straßenrnusik und Theater.

Live klingt der „Short-Distance-Psycho-Folk“ der Krefelder Gruppe noch schärfer und fröhlicher als auf dem Debüt-Album. Der studierte Kontra-Bassist Ulrich Kisters zupft, klöppelt oder streicht sein Instrument wie ein Cello. Balkenkopf Jürgen Jaehnke trommelt den rhythmischen Rückhalt, während die beiden Frontleute (im Nebenberuf Schauspieler) Mike Pelzer und Markus Maria Jansen mit der Erfahrung von mehreren hundert Konzerten das Bühnengeschehen ideenreich bestimmen. Der eine sieht aus wie ein junger Tom Waits mit Grönemeyer-Frisur und entlockt Akkordeon und Farfisa-Orgel eigenwillige Melodien, der andere punkt mit seiner Gitarre herum und singt verschrobene Texte über Rauschgift und Liebe.

Das Ganze ist stilistisch vogelfrei: Country. Hillbilly, Walzer und Rock’n’Roll, in verspielt-schlauer Art von einer sparsamen Light-Show untermalt. Eine fulminante Inszenierung in wohltemperiertem Chaos. Acid-Folk im Dreiviertel-Takt!

Vergleiche mit den amerikanischen Violent Femmes, den britischen Pogues oder Woodentops mußte sich das Vogelscheuchen-Quartett denn auch gefallen lassen. Was sie wenig kümmert. Im Frühsommer wollen sie eine Disco-Maxi aufnehmen, im Herbst nochmals touren.

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